Kunst Kritik

Keine Angst vor Rissen an der Wand

Lexikon | NS | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Mit seiner Installation "Social Pool" zog der Mak-Center-Stipendiat Alfredo Barsuglia im Vorjahr viel mediale Aufmerksamkeit auf sich. Sein frei zugängliches Schwimmbecken in der Wüste Südkaliforniens konnte nur mittels GPS-Koordinaten gefunden werden und lockte nicht nur Kunstpilger an.

Auch in der aktuellen Schau bei Viktor Bucher spielen abgelegene Orte eine Rolle, wenn der 1980 geborene Künstler auf der kroatischen Insel Lopud das dort 1936 im Bauhaus-Stil errichtete Grand Hotel besucht. Es ist gut, dass die Videofahrt zum abblätternden Putz des leeren Prestigebaus nur ein Teil der "Fragmente" betitelten bleibt, denn sie hebt sich von der Verfallene-Moderne-Adoration des letzten Jahrzehnts wenig ab. Barsuglia wurde mit so realistischen wie artifiziellen Porträts bekannt und auch jetzt bilden Fragen der Malerei den konzeptuellen Hintergrund seiner interessanten Schau.

So korrespondiert der Besuch an der sonnigen Adria etwa mit der Wandinstallation "O.T. (Fensterblick)", bei der auf einen gemalten Fensterrahmen ein Seepanorama projiziert wird. Ein Ausflugsboot schippert in dem multimedialen Seestück vorbei, das die Vorstellung von der Malerei als Fenster zur Welt gelungen auf die Schippe nimmt. Ein anderes Arrangement hat etwas von einem desolaten Zimmer, wo eine Lampe zerbrochen am Boden liegt und die Bilder an den Wänden schon ausbleichen. Barsuglia hat sie zweigeteilt: oben Vorzeichnung, unten ausgeführtes Bild, und stellt so den Arbeitsprozess aus.

Ein witziges Detail stellt das Trompe-l'Œil-Bild mit Kirschen an der Decke dar, das mit seinen gemalten Farbrissen, in der wiederum an das Grand Hotel denken lässt. Auch eine tote Meise auf weißer Leinwand und ein echter Erdhügel am Galerieboden treiben ihr Spiel mit Vanitasmotiven.

Projektraum Viktor Bucher, bis 24.1.


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