Von Gotteskriegern und Genoziden

Dschihad in Timbuktu, Massenmord in der Türkei: Zwei Kinofilme arbeiten sich an großen Geschichten ab

Feuilleton | KRITIK: MICHAEL OMASTA | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Pathetisch, außer Atem beginnt und endet der Film. Anfangs flieht eine Antilope vor einem Pick-up voll herumballernder Männer, am Ende wird die Jagd auf einen Menschen eröffnet. "Timbuktu" beschreibt die Eskalation der Gewalt, wie sie der Vormarsch von islamistischen Terrormilizen in Nordmali mit sich gebracht hat. Nichts ist auf Dauer gegen sie gefeit.

Die mythenumwobene Oasenstadt Timbuktu, im Mittelalter eines der geistigen Zentren des Islams, ist seit 2012 auch Sinnbild für die mutwillige Zerstörung islamischer Kulturschätze durch die Fundamentalisten. Freilich gilt das Interesse von Regisseur Abderrahmane Sissako weniger der aktuellen Tagespolitik als dem erbitterten Kulturkampf, der sämtliche Bereiche des täglichen Lebens erfasst. Selbst das der Tuareg, die wie Kidane und seine Familie als Nomaden in der Wüste leben, bleibt davon nicht unberührt.

Hightech und Mittelalter existieren hier nebeneinander. Die neue Ordnung, die per Megafon verkündet wird, besteht aus Verboten:


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