Houellebecqs neuer Roman: mehr Spott für Frankreich als für den Islam

Feuilleton | SEBASTIAN FASTHUBER | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

"Unterwerfung", das im Jahr 2022 angesiedelt ist, handelt von einem Frankreich, das sich, genau, dem Islam unterwirft. Der neue Roman von Michel Houellebecq hätte also ohnehin für großes Aufsehen gesorgt. Der Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo, dessen aktuelles Cover eine Karikatur des Autors ziert, hat die Aufmerksamkeit allerdings noch potenziert.

Es ist in mancherlei Hinsicht ein problematischer und grenzwertiger, stilistisch ziemlich schludriger, aber als Ganzes großartiger Roman, der zeigt, was Literatur darf, kann und sogar soll. Nämlich grundsätzlich einmal alles zur Sprache bringen -auch das, was im politischen und medialen Diskurs nicht gesagt werden darf.

Der Islam kommt im Roman gar nicht so schlecht weg. Dieser hat es eher noch einmal auf all die alten 68er, ehemaligen Trotzkisten oder Stalinisten abgesehen, die ihre einstigen Ideale und Überzeugungen längst über Bord geworfen haben und sich nur zu gern dem Islam unterwerfen, solange es für sie


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