Des Wieners liebster Wintersport

Pomp und Vergnügen in der Eislaufsaison - vom Wiener Eistraum bis Holiday on Ice

Lexikon | KUFENREPORT: LISA KISS | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015


Foto: Stage Entertainment Touring Productions

Foto: Stage Entertainment Touring Productions

Auf dem Rathausplatz fliegen wieder die Späne, die Aufbauarbeiten zum Wiener Eistraum sind in vollem Gange. Am 22.1. wird der größte mobile Eislaufplatz der Welt mit einem großen Fest eröffnet. Mitten am Ring, zwischen Parlament und Universität und eingerahmt von Burgtheater und Rathaus, locken rund 7000 m2 große spiegelglatte Eisflächen und der 750 Meter lange „Traumpfad“ bis Anfang März zum sportlichen Kurven durch den Rathauspark.

Am großen Eislaufplatz mit Discobeschallung und Lichtershow wird es manchmal recht eng, vor allem am Wochenende tummeln sich Groß und Klein auf den Kufen im Schatten des Rathauses. Für Anfänger und Kinder nicht gerade verlockende Aussichten, aber gerade für sie ist eine eigene kleinere Eisfläche reserviert, auf der die Kleinen und diejenigen, die noch unsicher auf den Kufen unterwegs sind, kostenlos ihre ersten Runden drehen können. Das dort aufgebrachte Kunsteis verhindert sogar, dass man beim unvermeidlichen Ausrutschen nass wird.

Im Fall eines Sturzes sollte man sich Tipps von Eislaufprofis wie der ehemaligen Eiskunstlauf-Europameisterin Claudia Kristofics-Binder zu Herzen nehmen: Die Arme nicht in die Höhe reißen, denn dann fällt man unweigerlich nach hinten und verletzt sich an Rücken, Kopf und Ellbogen! Richtig fallen heißt: Klein machen, Kopf einziehen und Hände vorne abstützen. Weswegen man ohne Handschuhe gar nicht erst auf das Eis treten sollte.

Wer nicht kurven will, kann sich trotzdem sportlich betätigen: Abends verwandelt sich die kleinere Eisfläche in eine Eisstockbahn, die online reserviert werden kann. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, die umliegenden Imbissstände bieten von heißer Schokolade bis Glühwein, von Würsteln bis Kaiserschmarrn alles Mögliche an. Das wär doch was fürs Afterwork?

Neben dem Eislaufvergnügen vor dem Rathaus bietet Wien mit dem traditionellen Wiener Eislaufverein und der Kunsteislaufbahn Engelmann in Hernals noch mehr kultig-klassisches Vergnügen für Eislaufaficionados.

Auf einem Flachdach im 17. Bezirk gelegen, verströmt der Engelmann, die erste Freiluftkunsteislaufbahn der Welt, nostalgischen Charme. Seit 1909 ist das Schleifen auf dem Eis mit viel Platz und schöner Aussicht hier möglich. Voll wird es hier nur freitags bei der beliebten Eisdisco, bei der Tanzmusik von Schlager bis Popmusik aus den Lautsprechern schallt.

Beim beliebten Wiener Eislaufverein am Heumarkt zieht man auch schon seit über 100 Jahren Runden übers Eis. Ende 2016 ist dann aber mal für zwei Saisonen Schluss damit, es wird kräftig saniert und umgebaut. Aber noch rutscht es sich ganz wunderbar im Traditionsverein in bester Lage, gleich neben dem Wiener Konzerthaus. Hier fanden 1869 die ersten Eisschnellläufe statt, wenige Jahre später schon internationales Figuren- und Wetteislaufen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete der WEV die berühmte Wiener Eisrevue, die weltweit zum Kassenschlager wurde. Anfang der 1970er- Jahre war’s aber vorbei mit dem großen Erfolg, die amerikanische Konkurrenz „Holiday on Ice“ kaufte die Show und stellte sie nur wenige Jahre später schließlich ein – um künftig nur noch ihre eigene Revue zu veranstalten.

Das aktuelle Holiday on Ice-Programm „Platinum“ in der Wiener Stadthalle verspricht nun einen nostalgischen Blick zurück auf 70 Jahre Eiskunstlauf. Ausgehend von einem typischen amerikanischen Tanzpalast der 1940er- Jahre führt die Tour zunächst in einen großen Ballsaal, in dem die Eistänzer im Wiener-Walzer-Takt übers Eis drehen.

Selbst bei der Moderation greift man in die Vergangenheit: Ingrid Wendl, Eiskunstlauf-Europameisterin in den 1950er-Jahren, begleitet die Premiere, und der deutsche Europameister Norbert Schramm erzählt nicht nur aus seinen Glanzzeiten, er steigt für ein paar Nummern sogar selbst aufs Eis.

Für den nötigen Kostüm-Glamour bei der Jubiläumsshow sorgt der deutsche Glitzer-Designer Harald Glööckler, der im Rahmen der Revue auch eine Fashion-Show auf Schlittschuhen präsentiert. Im Laufe der Show wechseln sich elegante Ballettnummern mit fetzigem Discodance im Aerobic-Style ab, Gospelsounds in einer Kathedrale aus Eis lösen Pophits von Christina Aguilera und Bruno Mars ab. Das Finale der zweistündigen Show am Eis schließlich mündet in ein brasilianisch angehauchtes Sambaspektakel.

Die zugehörige Foto- und Plakatausstellung „Traumfabrik auf Eis – Von der Wiener Eisrevue bis zu Holiday on Ice“ im Foyer der Stadthalle zeigt die Entstehung der Wiener Eisrevue unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und die Entwicklung bis heute – und wirft einen Blick auf die harte Arbeit hinter den Kulissen der Show.

Holiday on Ice: Wiener Stadthalle, bis 25.1.
Wiener Eistraum, Rathausplatz, 22.1. bis 8.3.
Wiener Eislaufverein, bis 8.3.
Kunsteislaufbahn Engelmann, bis 8.3.


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