Mediaforschung Verführungskolumne

Haribo beendet die Werbe-Ehe: Der traurige Schalk muss gehen

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 03/15 vom 14.01.2015

Es ist das Ende einer Ära, das Ende eines Weltrekords: Haribo hat sich von seinem Testimonial Thomas Gottschalk getrennt. Warum, das wollte der Süßigkeitenhersteller nicht kommentieren. Der große Blonde sagte bloß ungläubig: "Haribo und ich, das ist eine Ehe, die nur der Himmel trennen kann."

Was bleibt, sind 24 gemeinsame Jahre, mehr als 250 Spots, die rund 300.000 Mal über die Fernsehschirme flackerten, und ein Eintrag im " Guinness -Buch der Rekorde". Nie zuvor hatte ein Promi länger einer Firma als Werbeträger gedient. Für die wirtschaftliche Liebesbeziehung überschritt Gottschalk auch Grenzen, elastisch wie ein Gummibärli: Jahrelang verfütterte er als "Wetten, dass ?"-Moderator das Naschzeug zur besten Sendezeit an Stars. Der Entertainer, der mit einem Haribo- Werbevertrag Millionen verdiente und vor einem Millionenpublikum eine Nasch-Show abzog - das roch irgendwann doch zu sehr nach unappetitlicher Schleichwerbung. Als der ZDF die Gummibären-Schüssel vom "Wetten, dass ?"-Couchtisch verbannte, knurrte Gottschalk.

Nun, nach allen Höhen und Tiefen, also die Scheidung. Und wie beendet Haribo die Werbe-Ehe? Recht offensiv: Mit einer Werbung, in der Gottschalk Haribos neuen Werbeträger persönlich vorstellt. Nämlich den TV-Blödler Michael "Bully" Herbig.

Wer genau hinschaut, wird merken, dass Gottschalk und Herbig in der Werbung allerdings nie gemeinsam zu sehen sind. Erst Doubles und gekonnter Schnitt lassen Gottschalks Haribo-Abschied versöhnlich wirken.


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