Schmutzige Askese

In einer hervorragenden Schau präsentiert das Mak die Architekten Adolf Loos und Josef Hoffmann als Helden der Moderne

Feuilleton | RUNDGANG: MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

In einer perfekt choreografierten, ebenso materialreichen wie thesenstarken Ausstellung stellt das Museum für angewandte Kunst (Mak) die zwei Heroen der Wiener Moderne einander gegenüber. Die Kuratoren Matthias Boeckl und Christian Witt-Dörring präsentieren Adolf Loos (1870-1930) und Josef Hoffmann (1870-1956) als zwei unterschiedliche "Wege der Moderne", deren Konzepte bis heute relevant sind.

Hoffmann und das Designlabor der Wiener Werkstätte stehen für distinguierten Konsum, das Leben als Stil. Die Essenz von Loos ist eine kritische Haltung, für die "neu" nicht unbedingt "originell" sein muss. Dieses Denken exemplifizieren zwei Objekte: Marcel Duchamps Flaschentrockner und ein Architekturmodell von Adolf Loos. So wie Duchamp einen Alltagsgegenstand zum Kunstwerk erklärte, zitierte Loos eine antike Säule als Modell für ein Hochhaus. Alles schon gemacht. Um es auf den Punkt zu bringen: Hoffmann ist Konsum, Loos Ethik.

Dieser Ready-made-Gedanke beschäftigt Gestalter bis heute.


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