Café Schmuseum

Küssen im Prückel: Das gab es vor zehn Jahren schon einmal. Doch die Empörung funktioniert heute anders

Stadtleben | KUSSREDAKTION: CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Die beiden jungen Frauen waren frisch verliebt. Eine kam gerade von einer Weisheitszahn-OP, man saß im Café Prückel auf einem der gemütlichen Sofas, die eine streichelte die andere. „Es war eher touchy, aber wir haben in dieser Situation sicher nicht geknutscht“, erinnern sie sich. Das war trotzdem zu viel für die Besitzerin des Lokals. Kurzerhand setzte sie die beiden vor die Türe. Sonst könne sie, so die resolute Cafetiere, „gleich ein Puff aufmachen“.

Das war vor genau zehn Jahren. Nadja Schefzig und Katharina Miko, die beiden Frauen von damals, erinnern sich, wie arg sie das Verhalten der Prückel-Chefin fanden, wie baff sie waren. „Das Prückel war unser Stammlokal“, erzählt Miko. „Wir standen vor der Tür und wollten nicht wahrhaben, dass wir da gerade rausgeschmissen worden waren. Und, noch schlimmer, dass wir das so ganz ohne Einspruch hingenommen hatten.“ Das Paar wandte sich damals an den Falter, dem war der Vorfall immerhin ein paar Zeilen wert (man schickte ein Hetero-Paar zum Testschmusen in das Kaffeehaus, nichts passierte). Zwei Monate nach dem Rausschmiss kam es zu einem Mini-Flashmob im Café Prückel: sechs schmusende Paare, Fotografen, ein Kamerateam, niemand regte sich auf, das war’s.


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