Tiere

Schweinigel

Falter & Meinung | www.falter.at iwaniewicz@falter.at zeichnung: Bernd Püribauer | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015


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Der Verlag Oxford University Press will in seinen Kinderbüchern auf Abbildungen von Schweinen verzichten, um Muslime und Juden nicht zu provozieren. Darüber darf man sich jetzt nicht gleich lustig machen und so die editorischen Gefühle anderer Verleger verletzen. Man muss doch nicht gleich mit dem Bombardement der Zivilbevölkerung durch Drohnenflugzeuge aufhören, um einen interkulturellen Dialog zu beginnen. Es sind schließlich vor allem die kleinen Gesten, auf die es ankommt.

Ich rate sogar dazu, einen Arbeitskreis einzusetzen, der uns auf weitere religiöse Provokationen aufmerksam macht. Sollten Bankinstitute nicht auch auf Sparschweine verzichten? Müssen sich Orte wirklich Groß-Schweinbarth oder Schweinfurt nennen? So etwas ist doch wirklich eine – Entschuldigung – Sauerei!

Eigentlich lernt man das doch schon im Kindergarten: Aus Schubsen wird Raufen und am Schluss wird jemand verletzt. Zuerst schubst die Statistik Austria Zahlen zu Österreichs beliebtestem Haustier ins Internet („Im Jahr 2013 wurden bundesweit insgesamt 5.432.000 Schweine geschlachtet“ und von den „67 Kilo pro Jahr und Österreicher konsumierten Fleisches stammen 41 Kilo vom Schwein“). Dann rauft der Verband österreichischer Schweinebauern mit den Tücken der Prozentrechnung und jubelt, dass der „Selbstversorgungsgrad mit Schweinefleisch leicht über 100 Prozent liegt“. Und dann wundert man sich, wenn sich religiöse Menschen verletzt fühlen. Oder selbst jemanden verletzen. Um die österreichischen Schweinebauern muss man sich zum Glück keine großen Sorgen machen, das sind harte Burschen (gendergerechte Formulierung macht da keinen Sinn). Zumindest, wenn es um die betäubungslose Kastration von Ferkeln geht.

Zu unserer nationalen Verteidigung muss man aber sagen, dass Österreich mit nur 0,3 Prozent einen verschwindend kleinen Anteil am Weltschweinebestand hat.

Doch es sind nicht nur die Schweine, die provozieren. Was ist mit den Heiligen Kühen im Hinduismus? Und wie zornig fühlt sich Niko Alm, Apostel der Pastafari und vormaliger Religionssprecher der Neos, wenn Nudelsiebe auf jedem Wühltisch von treifen Fingern begrapscht werden?

Ich meine wie weiland DJ Koze: „Deine Reime sind Schweine, die stinken, nur meine Reime sind feine Reime.“


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