Küss die Hand, gnadenlose Frau: Wie gute Manieren zur Unsitte werden

Stadtleben | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Beim Zungenpritschler-Skandal im Café Prückel geht es um alltägliche Homophobie. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, was im öffentlichen Raum überhaupt noch erlaubt ist. Wenn sich die Prückel-Wirtin zu ihrer Entschuldigung auf die guten alten Manieren beruft, macht sie die Sache nicht besser. Vieles von dem, was einst zur Grundausstattung einer guten Kinderstube gehörte, gilt inzwischen als totales No-Go.

So wähnten sich Männer einst in der Tradition des Minnedienstes, als sie Frauen mit Komplimenten schmeichelten. Heute gilt das als sexuelle Belästigung, denn das Süßholzgeraspel erniedrigt die Angebetete zum verklärten Lustobjekt. Ebenso fragwürdig der Brauch, weiblichen Wesen die Tür aufzuhalten. Männer inszenieren sich so als starkes Geschlecht und suggerieren den Frauen, ihre Schutzbedürfigkeit sei naturgegeben. Die Zeit der Kavaliere und guten Partien ist längst vorbei.

Das gesamte Repertoire heteronormativer Romantik muss dringend überarbeitet werden. So bringt


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