Frankenkrise: die Hintergründe der Aufwertung

Politik | ANALYSE: KURT BAYER | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Es war ein Paukenschlag: Vergangenen Donnerstag hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Wechselkursbindung des Franken an den Euro aufgegeben. Seit 2011 durfte ein Franken nicht mehr wert sein als 1,20 Euro -damit war es nun vorbei. Danach haben die Devisen-und die Aktienmärkte in Europa wüste Schwankungen mitgemacht. Zeitweise ist der Wert des Euro gegenüber dem Franken um 30 Prozent gefallen, das sind fast russische Verhältnisse.

Was war passiert? Die Schweiz gilt wegen ihrer Wirtschaftskraft und Stabilität, aber bis vor kurzem auch wegen ihres Bankgeheimnisses als sicherer Hafen für Gelder aller Art. Die sogenannte Eurokrise hat diese Position weiter gestärkt. Gelder wurden in die Schweiz transferiert, trotz negativer Zinsen in Schweizer Banken. Dieser Aufwertungsdruck beeinträchtigte jedoch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, deshalb legte die SNB 2011 den Mindestkurs fest. Um ihn zu verteidigen, musste sie in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Franken einsetzen, um Euro zu kaufen, die immer weniger wert wurden. Damit ist jetzt Schluss. Und alle weinen.

Die Schweizer stöhnen, weil Schweizer Produkte im Ausland teurer werden. Bei Österreichs Frankenschuldnern wird die Schuldenlast größer -bei Privatpersonen wie bei Kommunen. Tausende Private haben die relativ günstige Chance zum Umschulden seit 2011 versäumt, als die Schweiz ihren Franken faktisch an den Euro gebunden hat. Die tatsächliche Zusatzbelastung hängt jedoch vom Zeitpunkt der Endfälligkeit des Kredits ab, da der Frankenkurs mittel-bis langfristig wieder sinken kann.

Momentan jedoch sieht es eher danach aus, als würde der Franken gegenüber dem Euro weiter an Wert gewinnen: Die EZB plant, der Deflation durch Aufkäufe von Staatsanleihen entgegenzuwirken, was den Eurokurs sinken lassen wird. Heimische Frankenschuldner sollten mit ihrer Bank reden, um den Schaden zu begrenzen. Spätestens jetzt mussten sie lernen, dass Fremdwährungskrediten ein hohes Risiko innewohnt.


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