Krähwinkel oder die Freiheit, die sie meinen. Vier Frauen reiben sich an Nestroy

STEIERMARK | THEATERKRITIK: HERMANN GÖTZ | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Freiheit ist ein großes Wort. Was es meint, hat vor allem damit zu tun, was sie sich herausnimmt. Wovon Freiheit befreit. Für Johann Nepomuk Nestroy hieß sie anno 1848, endlich "Revolution" schrei(b)en zu dürfen -und das nicht ohne bitteren Spott. Für viele Spanier bedeutet Freiheit heute, vor der aussichtslosen wirtschaftlichen Tristesse in ein reicheres EU-Land flüchten zu können. Für Russen ist Freiheit ein Witz, in dem Putin vor-und schlecht wegkommt. Freiheit kann bedeuten, sich die Achseln nicht zu rasieren, sie kann auch ein Gefühl sein, das sich nach angemessenem Alkoholkonsum einstellt: Man ist so frei, sich frei und ganz enthemmt zu fühlen.

Für "Freiheit in Krähwinkel -frei nach Nestroys Revolutionsstück" (Forum Stadtpark, Fr, Sa, So, 20 Uhr) der Gruppe Dagmar haben sich vier Frauen aus vier Ländern an Nestroy gerieben, um von Freiheit und Befreiung zu erzählen. Marina Rakic (Architekturstudentin, Serbien), Alexandra Luchnikova (Rechtsanwältin, Russland), Teona Okruashvili aus Georgien und Veza Maria Fernandes Ramos (Performerin, Spanien) spielen unter der Regie von Jürgen Gerger und Eva Hofer Nestroys Stück nach. Was vom Original bleibt, ist die Erkenntnis, dass jeder Despot auf Dummheit baut. Auch das Patriarchat, die FPÖ und die Medien bekommen ihr Fett ab.

Ein Problem der Produktion besteht darin, dass die schauspielerischen Mittel der Truppe oft nur für eine sehr verkürzte Darstellung reichen. Ein anderes ist, dass eben dies für Veza Maria Fernandes Ramos nicht gilt. Jedes Solo der Performerin ist ein Erlebnis. Aber das Laienspiel der anderen sieht neben ihr aus wie Schultheater. F


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