Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Warum die Demo berechtigt war

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Ja, im Anschluss an die Demo gegen den Grazer Akademikerball der Burschenschafter kam es vereinzelt zu Ausschreitungen. Viermal brannten Mistkübel, ein Schaufenster wurde eingeschlagen. Einige Ballgäste wurden attackiert, eine Person soll geblutet haben. Solche Vorkommnisse sind inakzeptabel. Dass die Organisatoren dazu nur sagen, sie hätten nichts damit zu tun, sich aber nicht klar davon distanzieren wie der ebenfalls teilnehmende grüne Europaabgeordnete Michel Reimon, ist schwer verständlich.

Dennoch gilt es, die Relationen zu wahren. Die Demo selbst sei ruhig verlaufen und das Ganze "weit weg von Wiener Verhältnissen", sagt sogar die Polizei. Zeit also, darüber zu reden, wogegen denn demonstriert wurde.

Im Ballkomitee waren zahlreiche Korporationen der Burschenschaftlichen Gemeinschaft vertreten, diese stehen selbst unter den Rechten rechtsaußen. Laut ihrem Programm droht dem "deutschen Volk" der "Volkstod". Mitveranstalter war auch der Freiheitliche Akademikerverband (FAV), dessen Landesverbände die Zeitschrift Aula herausgeben. Sie bezeichnet KZ-Überlebende als "zur Landplage gewordene Kazeteska", Migranten als "Zivilokkupanten" und dichtet Juden einen "unbändigen Willen zur Weltherrschaft" an. Keine Berührungsängste dazu hat die FPÖ: Johann Gudenus und Gerhard Kurzmann sind regelmäßig im Blatt vertreten, 2011 gratulierte Parteichef Heinz-Christian Strache zum 60-jährigen Bestehen. Im Vorstand des FAV Steiermark: Axel Kassegger. Einer unserer 183 Parlamentarier. All das ist beängstigend und irritierend. Es spricht für die Zivilgesellschaft, dass Einzelne immer wieder darauf hinweisen. Auch wenn wir uns längst daran gewöhnt haben.

Gerlinde Pölsler ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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