Was wir wollen

Top-Koch Christian Petz ist wieder da. Erstmals mit eigenem Lokal. Endlich!

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Man wird hier in den nächsten zwei Monaten leider keinen Platz bekommen. Denn ohne die Berichte der Kolleginnen und Kollegen zu kennen, steht außer Frage, dass die Begeisterung für dieses vorige Woche eröffnete Lokal aller Voraussicht nach ins Ekstatische gehen wird. Und zwar völlig zu Recht.

Und zwar nicht, weil Christian Petz da jetzt die Küche neu zu erfinden versucht. Auch nicht, weil es sich beim Gußhaus um ein Konzeptlokal von globaler Tragweite handeln würde. Im Gegenteil. Es ist ein kleines, vergleichsweise bescheidenes Lokal, das bisher nie auffiel und das sich einfach dafür eignete, Christian Petz’ erstes eigenes Lokal zu werden. Zum Beispiel, weil es finanzierbar war und weil es ums Eck von seiner Wohnung liegt.

Das sind normalerweise keine Gründe, wenn ein ehemaliger Vierhaubenkoch sein Restaurant gestaltet. Nur ist Christian Petz eben auch nicht wie andere Top-Köche, gibt augenscheinlich recht wenig auf Bewertungen, schimpft gerne und oft über idiotische Moden, macht sich Gedanken über menschenwürdiges Essen in Schulen und Altersheimen, ist davon überzeugt, dass man auch mit „einfachen“ Zutaten großartig kochen kann. Was er nicht zuletzt auf dem Badeschiff bewies, wo man ein mehrgängiges Menü, bei dem einem die Freudentränen waagrecht aus den Augen schossen, um den Preis bekam, der beim Edelitaliener für einen Zuchtbranzino verlangt wird.

Und jetzt ist er da im Gußhaus. Das ein hässliches Lokal war, das er gemeinsam mit seinen Kindern und seiner Lebensgefährtin neu ausmalte, fertig. Und das in Zukunft wahrscheinlich das Lokal sein wird, das einem einfällt, wenn man überlegt, wohin man heute gerne essen gehen würde.

Denn: Das ist hier alles so gut. Auf der Karte stehen 22 Gerichte, von denen man konkret alle kosten möchte (außer man hasst Innereien, dann sind es ein paar weniger). Aber das Vitello dorschato, zartes, dünn geschnittenes Kalb mit Dorschleber-Mayonnaise (€ 14,–), sollte man schon probiert haben, oder den gebeizten Heilbutt mit Puntarelle (€ 15,–). Oder die Grünerbsensuppe mit grünem Curry und Koriander, ein Aromen-Torpedo, Wahnsinn. Lackierter Aal war gerade aus, machte nichts (€ 7,–).

Oder die besten Kutteln seit langem, den kleinen Crab-Cake dazu hätte es fast gar nicht gebraucht (€ 12,–), Gerüchte von Beuschel mit Entenmagen machte die Runde, hosianna! Und die Milz-Agnolotti mit Salbeibutter waren wahrscheinlich die besten gefüllten Nudeln, die ein Österreicher je herstellte – ich will die jetzt täglich (€ 12,–).

Man könnte noch von Pfefferkarpfen, Kümmelmuscheln oder einer unendlich zarten Spanferkelstelze nach Krenfleischart schwärmen, der Platz reicht aber nicht. Egal, anrufen, um einen Platz betteln, hingehen und alles essen, ist die Devise. Es ist das Essen, das wir immer schon wollten.

Resümee:

Der Mann, der einfach weiß, wie man aus guten Produkten das Beste macht, hat jetzt sein erstes eigenes Lokal. Das finden wir gut.

Petz im Gußhaus
4., Gußhausstr. 23
Tel. 01/504 47 50
Di–Sa 11.30–24 Uhr
www.gusshaus.at


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