Schluss mit lustig!

Worüber dürfen Linke noch lachen? Aus sexueller Befreiung wurde Sexismus, aus Blasphemie Islamophobie. Die moralische Revolution und die jüngsten Gewalttaten der Beleidigten machen es der Satire schwer


ESSAY: MATTHIAS DUSINI
Feuilleton | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015


Foto: Linkeck

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Der Sänger des Hotel Morphila Orchester, Peter Weibel, erzählte während des Konzerts im 21er Haus Anfang Jänner auch einige Anekdoten aus der Geschichte der Band. So sei der Gitarrist Paul Braunsteiner einmal von seiner Freundin beim Sex mit einem Groupie ertappt worden. Nett wie er war, habe er sich auch gleich bei ihr entschuldigt und gesagt: „Schatzi, i komm gleich.“

Wäre die Musik nicht so laut gewesen, hätte man im Publikum ein peinlich berührtes Räuspern gehört. Was vor wenigen Jahrzehnten noch mit schenkelklopfendem Gelächter belohnt worden wäre, gilt heute als schlüpfriger Altherrenwitz. Der aufgeklärte Zeitgenosse denkt beim Wort Groupie an Frauen, die von Machos sexuell ausgebeutet werden. Und ist es nicht auch verletzend, dass Weibel die Intimitäten seines Kumpels öffentlich ausbreitet?

Die Rockveteranen gehören zur Generation, für die Provokation und Tabubruch Waffen im Kampf gegen die Obrigkeit waren. Wenn Weibel mit seiner damaligen Freundin Valie Export auf der Bühne einen Blowjob zelebrierte, hatte er die Lacher auf seiner Seite; die Empörung der Kleinbürger war deren Verstärker.

  2013 Wörter       10 Minuten
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