Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Pakete

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Sparpaket. Unwort, willst du ewig leben? 1995 gedieh es bereits prächtig. Thomas Seifert setzte sich mit einem damals in Diskussion befindlichen Sparpaket auseinander. Und siehe, es gab auch schon die gleichen Mahner. "Wifo-Experte Stephan Schulmeister schlägt der Regierung vor, von den deutschen Regierungskollegen zu lernen: Eine rasche Erhöhung der Mineralölsteuer,,welche die Treibstoffpreise in Österreich an das deutsche Niveau angleicht, sowie ein Ausbau dieser Steuer zu einer alle Energieträger erfassenden Energiesteuer' brächten zehn Milliarden." Ist das nicht schön?

Unsere Regierenden lernen nicht nur nichts aus der Geschichte, sie missachten auch stets den Rat der gleichen Experten. Ein weiteres ehernes Politikgesetz hielt Seifert für die Leserschaft bereit: "Den Ehrlichen bestraft die Geschichte." Nichts politisch Neues unter der Sonne also.

Hilft vielleicht das Studium der Historie? Schnecken, beschied Bernhard Odehnal. 50 Jahre nach Öffnung der Tore des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau glaubten immer weniger Jugendliche an die tatsächliche Existenz der Gaskammern. "Schindlers Liste", also die Hollywood-Variante historischer Pädagogik, habe bei der Bildung von Geschichtsbewusstsein eher geschadet als genutzt, so Odehnals Vermutung.

Im Feuilleton beschäftige sich Sigrid Löffl er mit der historischen Reizfigur Ernst Jünger. Der rechte Dichter wurde 1995 bei bester Gesundheit 100 und faszinierte nicht nur nach rechts rückende ehemalige Linksintellektuelle wie Botho Strauß, sondern auch den Dramatiker Heiner Müller und die Theaterleute Hans Kresnik und Frank Castorf.

Im Stadtleben machten sich wieder einmal Falter-Menschen zu Affen und Äffi nnen, indem sie als Models posierten (so einfach war das vor 20 Jahren mit dem Narzissmus) und zeigten, wie man sich mit unter 500 Schilling (etwa 37 Euro) charaktervoll einkleiden konnte. Klaus Nüchtern gab "den Meidlinger", Roland Koberg in Unterhosen "den Verführerischen", Doris Knecht "die Trendige" und Carolin Giermindl "die Häusliche".


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