Nüchtern betrachtet

Kuttelkonversation statt Smalltalkindigniertheit


Klaus Nüchtern
Feuilleton | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Viele Menschen verachten Smalltalk, weil sie vermeinen, es sei unter ihrer Würde, übers Wetter zu reden. Weil solche Zeitgenossen aber schnell einmal als kapriziöse Nervensägen wahrgenommen werden, ist es besser, durch die Erschließung neuer Themengebiete zur Evolution des Smalltalks beizutragen, als auf selbigen herabzublicken.

Ich bin zum Beispiel dahintergekommen, dass "Innereien" einen total guten Gesprächsgegenstand abgeben, der von den meisten dankbar angenommen wird: Er ist gut im Alltag verankert, aber dennoch nicht "abgekaut", und bietet darüber hinaus erstaunlich viele Variationsmöglichkeiten. Auf "Nierndln gehn gar nicht", kann man stets mit "Und Beuschel?" kontern. Bringt man schließlich "trippa" ins Spiel, ergeben sich oft die drolligsten Missverständnisse. "Sind Stierhoden bei uns nicht verboten?", wirft die Frau an meiner Seite ein. Worauf ich pfiffig repliziere, dass "trippa" zwar ein wenig nach Geschlechtskrankheit klinge, es sich deswegen bei besagtem Gericht

  370 Wörter       2 Minuten
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