Am Apparat Telefonkolumne

Warum gedachten Sie ohne Politiker, Herr Deutsch?

Politik | INTERVIEW: BARBARA TÓTH | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Letzten Sonntag gedachte die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) aller Opfer des islamistischen Terrors und insbesondere der vier beim Anschlag im koscheren Supermarkt in Paris ermordeten Juden. Mitglieder, Freunde, Botschafter großer EU-Staaten und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften waren zu der Gedenkveranstaltung im Wiener Stadttempel eingeladen worden. Vertreter der Bundesregierung oder der Stadt Wien waren nicht anwesend. Wir fragten den Präsidenten der IKG, Oskar Deutsch, warum.

Herr Präsident, wieso waren viele hochrangige Diplomaten, aber keine Regierungsvertreter anwesend?

Weil wir keinen eingeladen haben. Wir wollten diesmal eine Veranstaltung machen, bei der in erster Linie Gemeindemitglieder dabei sind und enge Freunde der Kultusgemeinde.

Sind also Regierungspolitiker keine engen Freunde der Wiener jüdischen Gemeinde?

Dieser Schluss ist nicht gut. Natürlich sitzen dort Freunde der Gemeinde und Menschen, mit denen wir gut zusammenarbeiten. Diesmal wollten wir es ohne Politiker machen, und das ist auch zu respektieren.

Natürlich. Man kann daraus aber auch eine Verstimmung herauslesen, schließlich haben Sie Österreichs Regierung

dafür kritisiert, dass sie die jüdischen Opfer nicht explizit erwähnt hatt e. "Alle sind Charlie, keiner ist Jude", sagten Sie wortwörtlich.

Damit hat das überhaupt nichts zu tun. Kanzler Werner Faymann hat im Parlament die jüdischen Opfer dann erwähnt, dafür habe ich mich explizit bedankt, und damit ist die Sache bereinigt.

Wieso sind solche Dinge in Österreich immer noch keine Selbstverständlichkeit?

Bitte stellen Sie diese Frage jenen, die uns Juden nicht erwähnt haben. Ich habe keine Antwort darauf. Ich schließe mich Ihrer Frage einfach nur an.


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