Zwischen Arbeitermörder und Märtyrerkanzler: Dollfuß

Die Historikerin Lucile Dreidemy hat ein Buch über den Mythos rund um den österreichischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß verfasst

Politik | REZENSION: PETER HUEMER | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Es gibt keine Gestalt in der österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Parteien und Gesellschaft derart spaltet wie Engelbert Dollfuß. Arbeitermörder? Märtyrerkanzler? Selbst wenn man sagt, dass beides zutrifft, wird kein Konsens sichtbar. Lucile Dreidemy beschreibt, was daraus entstanden ist: der "Dollfuß-Mythos". Hätten ihn nicht die Nazis umgebracht, fiele die Bewertung von Leben und Werk weniger kontroversiell aus. So aber bleibt der Streit, und der hat auch um dieses Buch schon begonnen.

Der Politikwissenschaftler Gottfried-Karl Kindermann nennt die Arbeit "eine Schrift blanken Hasses" und Andreas Khol, Klubobmann der ÖVP in der Ära Schüssel, spricht in der Tageszeitung Die Presse von "revisionistischen Thesen der Autorin", denen er "nur deutlich widersprechen" könne.

"Austrofaschismus" bezeichnet Khol in seiner Erwiderung als "ideologischen Kampfbegriff" mit dem Ziel, "die Diktatur von Dollfuß mit der NS-Diktatur und dem Faschismus Mussolinis gleichzusetzen".


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