"Gehts in Park!" Die strengen Damen und ihr Kampf gegen das Küssen

Stadtleben | FLORIAN KLENK | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Vor 20 Jahren, als ich ein Student war, da zog es mich in den Gmoakeller am Heumarkt. Der Gmoakeller wurde damals von zwei alten Schwestern beherrscht: Tante Grete und Tante Mitzi. Tante Mitzi kochte die beste Leber der Welt. Tante Grete war dafür berühmt, sogar den Bundeskanzler aus dem Lokal geschmissen zu haben. "Wir ham kan Platz", sagte sie zu ihm, obwohl das Lokal leer war. Irgendwas an ihm hatte ihr nicht gepasst. Zumindest geht so die Legende.

Mich hat Tante Grete nie aus dem Gmoakeller rausgeschmissen, trotz Zopf. Sie gab mir zähe Manner-Schnitten, ein Stamperl Obstler und manchmal ein Busserl. Als ich es aber einmal wagte, unterm Herrgottswinkel zu schmusen, da fuhr sie dazwischen. "Gehts umme in Park", befahl sie, "oder nehmts eich a Zimmer." Eine Gastwirtschaft sei kein Stundenhotel.

Die Tante Grete fiel mir ein, als ich vom Prückel-Skandal hörte. Heute würde sie wohl im Shitstorm weggefegt, damals war sie ein Teil eines schaurig-grantigen Wien, das längst untergegangen


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