Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Spremuta

Spremuta für die Sprezzatura im Herzen

Stadtleben | MS | aus FALTER 04/15 vom 21.01.2015

Bei diesen unbeständigen Temperaturen ist es ratsam, den Vitamin-C-Level im Körper hoch zu halten. Das gelingt, wenn man sich die Mühe macht und die Zitruspresse zückt. Davor gilt es, sich mit den ungeheuer köstlichen Blutorangen einzudecken, die zurzeit aus Italien, Spanien oder dem nordafrikanischen Raum importiert werden. Leider hat diese merkwürdige Sitte der Supermärkte, sie eimerweise zu verkaufen, schon lange Tradition -wenn nur die Kübel hübscher wären!

Sind die kleinen roten Sonnen einmal gebunkert, sollten sie unbedingt dunkel und kühl gelagert werden, da sie sonst binnen kurzer Zeit den fiesen weißgrünlichen Schimmelpelz anlegen. Für ein Gläschen Saft sollte man mit drei, vier Orangen das Auslangen finden. Wie sinnlich sich der rote Saft auf dem Brett ausbreitet, wenn das geschärfte Messer in die feste Kugel sinkt, und wie herrlich der Duft der ätherischen Öle der Schale den Raum füllt. Das Pressen geht dann fast von alleine und stimuliert die Blutleeren. Wer die Halbautomatik liebt, könnte in eine einarmige Metallpresse investieren. Oberste Pflicht herrscht beim unmittelbaren Abwasch von Brett und Presse. Gegen Abend, wenn das Tagwerk vollbracht ist, kann ein Schuss Wodka im Saftglas für die nötige innere Desinfektion sorgen.

Anthocyan heißt der Farbstoff , der die Blutorange färbt und freie Radikale bindet. Angst vor Hypervitaminose ist unangebracht, da Vitamin C wasserlöslich ist. Das Zuviel verabschiedet sich elegant durch den Harnapparat.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige