Zwiebel und Physalis

Auf der Landstraßer Hauptstraße eröffnete ein Lokal, das so eine Art italienisch ist

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 05/15 vom 28.01.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Ambition muss man respektieren. Und wenn sich ein Unternehmer bemüht, ein riesiges Geschäftslokal an der Landstraßer Hauptstraße ein Jahr lang umzubauen, Regale und Vitrinen mit ein paar der wirklich feinen Dinge aus Italien zu befüllen, um sich dann noch das Minenfeld Gastronomie anzutun – alle Achtung.

Nur ist Ambition allein halt oft nicht genug. Denn gerade auf dem Sektor der Italo-Gastronomie gibt’s mittlerweile halt wirklich schon so viel, dass man da schon ein paar sehr gute Ideen, ein paar sehr beherzte Köche und außerdem einen verdammt guten Innenarchitekten braucht, um sich da eine Nische erkämpfen zu können.

Nun ja, das vor zwei Monaten eröffnete Sapori e delizie verzichtete zumindest auf Letzteren beziehungsweise legte sein Design ein bisschen auf italienische Campingplatz-Strandcafés an. Das hat durchaus einen sentimentalen Charme, dieser Fliesenboden, diese Klimaanlage, diese Energiesparlampenbeleuchtung und diese Kantinenpulte, wenn da draußen ein Meer und kreischende Kinder wären, ginge einem das Herz wohl schon irgendwie auf. Wenn da draußen aber die Landstraßer Hauptstraße ist, dann sieht’s halt wie eine Mischung aus Konditorei und Drogeriemarkt aus. Da richten dann auch die großen Mortadellas und die Falorni-Salamis in der Vitrine wenig aus.

Die Küche liefert ein überschaubares Wochenprogramm an Vorspeisen, Pasta und dem einen oder anderen Hauptgericht; wobei man das sichere Terrain des ausgetretenen Pfades kaum verlässt und sogar so weit geht, Prosciutto tatsächlich noch mit Melone zu servieren. Ich mein, das ist nicht nur ein ausgetretener Pfad, das ist ein Pfad mit Geländer, Sonnendach und Sessellift.

Zwiebelsuppe mit Tomaten-Ciabatta klang da noch verhältnismäßig extravagant, die Suppe war heiß, fett, hatte eine schöne Farbe und reichlich Rosmarin und getrockneten Thymian drin, also okay (€ 3,60). Und weil ein paar der Aufstriche im Regal recht vielversprechend anmuteten, also auch die Crostini: Mozzarella-Würferl/Tomate/Frühlingszwiebel war leider kühlschrankkalt, die Zwiebel dominierte, der Leberaufstrich war brav, der Salsiccia-Aufstrich so weit auch okay, Himbeere und Physalis als Dekoration muss einem aber erst einmal einfallen (€ 4,50). Wobei das kein Einzelfall ist, wie die Facebook-Seite zeigt, Physalis sind hier obligatorisch.

Dann eine gefüllte Melanzani, warum denn nicht, denkt man sich. Na weil sie mit Zwiebeln, Pilzen, Paprika gefüllt, mit Pizzakäse überbacken und noch einmal mit Frühlingszwiebeln und gegrillten Salamischeiben überhäuft ist, deshalb. Sah aus wie in der Autobahnraststätte, allerdings nicht in der italienischen (€ 7,50). Der Espresso war okay, demnächst gibt’s Theresianer-Bier aus Triest. Da sollte man sich dann mit einem solchen hinsetzen und noch einmal ein bisschen am Konzept feilen.

Resümee:

Ein neues italienisches Geschäft samt Lokal mit toller Ausgangsware, das stilistisch und küchenmäßig aber leider etwas auslässt.

Sapori e delizie
3., Landstraßer Hauptstr. 17
Mo–Fr 8.30–19, Sa 9.30–18 Uhr
www.sapori.wien


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