Wenn nur die Konfettikanone zündet

Alle zehn Jahre läuft im Burgtheater Kleists Rittermärchen "Das Käthchen von Heilbronn" - diesmal ohne Happy End

Feuilleton | THEATERKRITIK: WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 05/15 vom 28.01.2015

Für das 15-jährige Käthchen von Heilbronn ist jede professionelle Schauspielerin eigentlich zu alt. Das gilt auch für die 32-jährige Sarah Viktoria Frick, sie ist aber auch nicht der ätherische Typ, der normalerweise als Käthchen besetzt wird. So kindlich der kleine Körper dieser außergewöhnlichen Schauspielerin erscheinen mag, es steckt eine alte Seele darin.

So wie das Kostüm (Meentje Nielesen) geschnitten ist, in dem Frick am Burgtheater jetzt das Käthchen spielt, wird der Eindruck noch verstärkt, dass wir es mit einer als Kind verkleideten Frau zu tun haben.

Frick spielt nicht das somnambule Mädchen-Käthchen, wie man es gewohnt ist, sondern eine merkwürdige Kindfrau mit Nscho-tschi-Zöpfchen, in der auch eine religiös Besessene steckt. In der besten Szene des Abends wird sie, die Bibel wie eine Wünschelrute in der Hand haltend, ferngesteuert über die Bühne getrieben.

Heinrich von Kleists "Käthchen von Heilbronn" ist das romantische Gegenstück zu seiner wüsten "Penthesilea".


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