Ausweitung der Klassenkampfzone

Klassikerpflege im Werk X: Das fast 40 Jahre alte Polit-Oratorium "Proletenpassion" feierte ein überraschendes Comeback

Feuilleton | PASSIONSKRITIK: WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 05/15 vom 28.01.2015

Wäre die "Proletenpassion" eine Person, dann wäre sie ein in den 1970er-Jahren gefeierter linker Liedermacher, der heute nur noch Pensionisten ein Begriff ist. Und dieser Politbarde hätte vorige Woche -mit toller neuer Band -im Werk X ein fulminantes Comebackkonzert gegeben.

Tatsächlich ist die "Proletenpassion" eine 1976 uraufgeführte Agitpop-Oper von Heinz R. Unger (Text) und den Schmetterlingen (Musik). Ihr Comeback aber war wirklich fulminant. Das kam überraschend.

Hört man heute in die Originalversion rein, klingt die liebevoll arrangierte Musik stellenweise schon arg betulich. Inhaltlich hat es etwas Rührend-Nostalgisches, wie da ganz unzynisch und "von unten" die Geschichte des Klassenkampfs -von den Bauernkriegen über die Pariser Kommune bis zur Oktoberrevolution und zum Faschismus - verhandelt wird.

Das Projekt, die "Proletenpassion" heute wieder auf die Bühne zu bringen, war also ein kühnes Unterfangen. Klar schien, dass man das Polit-Oratorium gründlich entstauben und


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