Die sind doch alle gekauft!

Jetzt marschiert die Pegida auch in Wien. Ihr zweitliebster Feind nach dem Islam: die "Lügenpresse". Aber wer ist das bloß?

Medien | ANALYSE: SIBYLLE HAMANN | aus FALTER 05/15 vom 28.01.2015


Foto: APA/EPA/Olivier Hoslet

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Lange Zeit waren sie stumm. Die Tausenden, die sich Montag für Montag in Dresden zur Abwehrfront gegen die „Islamisierung des Abendlands“ formierten, schoben sich in ihren Anoraks und Pudelhauben schweigend an allen Journalisten vorbei. Grimmig schauten sie in die Kameras. Bloß nichts sagen, wenn einem jemand ein Mikrofon vor den Mund hält. Nichts erläutern, nichts erklären, die Lippen zusammenkneifen, wenn man gefragt wird, lautete die Direktive. Es sei nämlich sinnlos, die Medien seien ohnehin nicht an sachlicher Berichterstattung interessiert. Allen, die die Wahrheit sagen, drehen sie absichtlich das Wort im Mund um.

Am 2. Februar wollen die „Patriotischen Europäer“ nun auch in Wien marschieren, gegen das Übliche: Massenzuwanderung und Überfremdung, Scharia und Genderwahn. Die Zeichen stehen nicht sehr günstig. In Österreich gibt es keinen großen Bedarf für eine derartige außerparlamentarische Opposition, denn mit der FPÖ sitzt man ohnehin im Nationalrat. Zudem gibt es interne Probleme: Pegida-Führer Lutz Bachmann musste zurücktreten, nachdem er mit Hitler-Bärtchen posiert hatte; einzelne Landesgruppen ringen um die Abgrenzung zu Neonazis und Hooligans. Die Terrorattentate von Paris scheinen die Bewegung nicht gestärkt, sondern eher außer Tritt gebracht zu haben.


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