Der Fall Bandion-Ortner Eine Richterin, die ihr Scheitern mit Häme bezahlt

Falter & Meinung | aus FALTER 05/15 vom 28.01.2015

Vor vielen Jahren hat mich Claudia Bandion-Ortner zu ihrer Hochzeit eingeladen. Sie kannte mich zwar nicht, aber sie hatte gehört, dass ich eine Reportage über ihren Arbeitsplatz, das Graue Haus, anfertigte. Bandion-Ortner, damals eine quirlige Erscheinung, sagte: "Kommen S'doch in den Großen Schwurgerichtssaal! Dort werde ich heiraten!" Es war eine bizarre Veranstaltung einer ungewöhnlichen Frau, die als Richterin geschätzt und von Medien geliebt wurde.

Sie schupfte den Konsum-Prozess, und sie brachte es in angemessener Zeit fertig, den Bawag-Chef Helmut Elsner für ein paar Jahre hinter Gitter zu bringen.

Bandion-Ortner wurde -weil sie die Gerichtsreporter hätschelten -vom damaligen ÖVP-Chef Josef Pröll "entdeckt". Schon bald war klar, dass sie keine politischen Visionen hat, dass eine Fachfrau noch lange keine Politikerin sein muss. Sie warf das Handtuch und wurde versorgt, im Abdullah-Zentrum für Dialog.

Manchmal treffe ich sie in der U-Bahn, mit der sie bescheiden zur Arbeit fährt. Sie wirkt noch immer wie früher am Gericht. Den Umgang mit dem Glatteisjournalismus hat sie nie erlernt. Ihr Satz, es werde "nicht jeden Freitag geköpft", ist dämlich, aber sie hat nie die Todesstrafe relativiert.

Nun verlässt sie das Saudi-Zentrum, wie einst die Politik, durch die Hintertür. Sie will wieder Richterin werden. Das kann sie vermutlich am besten. Man sollte sie dann auch wieder in Frieden lassen.


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