Ins Mark Der Kommentar zur steirischen Woche

Die dreckigen Dutzende

Steiermark | Gerlinde Pölsler | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015

Feinstaubentwarnung!", ruft Umweltlandesrat Gerhard Kurzmann (FPÖ). Sprengte der Dreck in der steirischen Luft bislang Jahr für Jahr die EU-Grenzwerte, so hielt er sich 2014 im erlaubten Rahmen. 35 Überschreitungstage toleriert die Union im Jahr, Graz brachte es im Vorjahr auf "nur" 27. Kurzmann hofft, dass die EU nun ihr Strafverfahren einstellen werde.

Tatsächlich konnten Maßnahmen wie der Ausbau der Fernwärme das Problem entschärfen. Zum Jubeln besteht aber kein Grund. Erstens ist aus Lungensicht jeder einzelne Überschreitungstag einer zu viel. Zweitens half im Vorjahr das Wetter ordentlich mit, dass die Bilanz glimpflich ausfiel. Drittens gelang es nicht einmal bei entgegenkommendem Wetter, die in Österreich gültige Grenze einzuhalten: Die beträgt nämlich statt rund drei Dutzend Tagen nur gut zwei, nämlich 25 Tage.

Bei alledem reden wir noch gar nicht über den noch viel gefährlicheren Ultrafeinstaub. Je kleiner die Partikel, umso schädlicher: Die winzigen Teilchen können Krebs und Herzinfarkt verursachen und das Organwachstum von Kindern beeinträchtigen. Der Verkehrsclub Österreich fahndete kürzlich in Wien nach den bösen Teilchen und entdeckte an stark befahrenen Straßen Werte wie in verrauchten Lokalen. In Österreich wird der Ultrafeinstaub, anders als in Deutschland oder Dänemark, nicht mal gemessen. Man will es wohl gar nicht so genau wissen.

Beim "groben" Feinstaub aber gibt's kein Vertuschen. Schon in den wenigen Wochen des neuen Jahres brachte es Graz auf elf Überschreitungstage. Zudem zerstäubt die EU-Kommission Kurzmanns Hoffnungen: "Von einer Einstellung des Verfahrens ist noch nicht die Rede."


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