Ohren auf Pop-Allerlei

Dylan gibt den Sinatra. Klingt gut. Björk auch

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015

Das Lustige an Bob Dylan ist: Die Fans nerven genauso wie die Kritiker. Die einen entwickeln religiöse Gefühle und verklären jede Durchschnittlichkeit zum großen Werk und jedes erratische Konzert zur bedeutenden Botschaft, die anderen kommen noch immer mit ihrem depperten "kann nicht singen".

Anlässlich von "Shadows in the Night" (Columbia) können sie sich jetzt wieder das Maul zerreißen: Dylan interpretiert zehn Lieder aus dem Repertoire des Übersängers Frank Sinatra. Geht das? Ja, tut es! Stilvoll arrangiert und mit sehr präsenter Raunzerstimme vorgetragen, entsteht nicht weniger als sehr schöne Blaue-Stunden-Musik. Mehr allerdings auch nicht - obwohl Dylanologen das wieder ganz anders sehen werden.

Das Lustige an Björk wiederum ist, wie fantastisch man ihre Kunst theoretisch fast immer findet, wie selten man ihre Platten im Endeffekt aber hört. Zumindest jene der letzten zehn Jahre. Mit "Vulnicura" (Embassy of Music) könnte das wieder anders werden. Sie ist aus Streichern, Elektronik und traurigem Gesang errichtet, wobei sich Björk hier weniger auf die Macht des Björkismus verlässt und stattdessen der Songform wieder stärker die Hand reicht. Das Unkonventionelle bleibt natürlich die Norm. Vorerst nur als Download erhältlich, erscheint "Vulnicura" offiziell und dann eben auch physisch Anfang März.

Das Lustige an Belle and Sebastian schließlich ist: Man weiß, die schottischen Indiepopschnuckis haben ihre besten Platten längst gemacht - und freut sich doch immer wieder, von ihnen zu hören. "Girls in Peacetime Want to Dance" (Matador) hat ein garstiges Cover, ist aber eine fröhliche Platte. Eine allzu fröhliche Platte, werden Fans der Mauerblümchenjahre sagen, sich über die tänzelnde Ausgelassenheit wundern und die neuentdeckte Lust an federnden elektronischen Beats. Ihre Gefühle für die Band wird das nicht ändern. Warum auch?


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