Was von Oberwart bleibt

Vor 20 Jahren wurden vier burgenländischen Roma ermordet. Österreich reagierte zunächst mit großem Schweigen

Politik | Essay: Armin Thurnher | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015


Diese vier Männer wurden Opfer des rassistischen Attentats in Oberwart 1995: Erwin Horvath, Karl Horvath, Josef Simon und Peter Sarközi (v. l.) (Foto: Privat)

Diese vier Männer wurden Opfer des rassistischen Attentats in Oberwart 1995: Erwin Horvath, Karl Horvath, Josef Simon und Peter Sarközi (v. l.) (Foto: Privat)

Wir leben in Zeiten des Terrors. Am meisten erschüttert uns der Terror in der Nähe, in der eigenen Zivilisation, in der Nachbarschaft. Heute ist Frankreich für uns Europäer bereits so eine Nachbarschaft. Das Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo forderte zwölf Todesopfer und wurde in ganz Europa, ja in der ganzen westlichen Welt beklagt; zwei weitere, damit in Zusammenhang stehende Anschläge forderten noch sechs Menschenleben. Gewiss, auch die sinnlosen Tode hunderter ermordeter pakistanischer Schulkinder, nigerianischer Dorfbewohner, jemenitischer Polizeischüler oder indischer Zugsinsassen berühren uns, aber schon nicht mehr so stark wie die Morde in Paris. Sie gehen uns nahe, wie man sagt. Aber die Allgegenwart des globalen Terrors stumpft ab.

Umso erschütternder ist Gleichgültigkeit in Zeiten des Terrors im eigenen Land. Als erste Erinnerung an das Attentat von Oberwart bleibt das große Schweigen. Die große Peinlichkeit. Das verlogene Herumgerede. Die Beschämung, dass der deutsche Burgtheater-Direktor am schnellsten die Fassung erlangte, während die österreichischen Eliten herumstammelten, schwiegen oder dann auch überreagierten. Nein, man kann nicht sagen, Österreich habe nach dem 4. Februar 1995 richtig reagiert. Den Schock des Attentats auf die Roma in Oberwart registrierte die Öffentlichkeit keineswegs in der gebotenen Form.


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