Unser vertriebener Prophet aus Wien

Vater, Mutt er, Kind? Carl Djerassi begeisterte sich für die postreproduktive Gesellschaft. Wir sollten es auch tun

Falter & Meinung | Kommentar: Barbara Tóth | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015

Was wäre gewesen, wenn! Wenn die Nazis seine Familie und ihn nicht vertrieben hätten! Wenn er in Österreich hätte bleiben dürfen und das Kultur-, Wissenschafts- und Geistesleben vor Ort hätte mitprägen können! Diese Fragen stellen sich nicht nur, wenn eine Persönlichkeit vom Format eines Carl Djerassi stirbt. Sein Lebensweg ist symptomatisch für Österreich und seine Schattenseiten.

Der spätere "Vater der Pille" entkam rechtzeitig als Teenager dem Terror der Nationalsozialisten und floh aus seiner Geburtsstadt Wien, in der er mit seiner Mutter nach deren Scheidung gelebt hatte, über Bulgarien, das Heimatland seines Vaters, in die USA. Dort wuchs er bei Pflegeeltern auf, die ihm seine rasante akademische Karriere ermöglichten, indem sie ihn auf die University of Wisconsin schickten und nicht, wie es so vielen Kriegsflüchtlingskindern in Österreich heute passiert, nur in die nächstbeste Lehre.

Wie viele andere jüdische Überlebende entfaltete Djerassi sein Talent, seinen Fleiß


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