Mediaforschung Verführungskolumne

Warum das falsche Alphabet in unserem Gedächtnis bleibt

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015

Wie schreibt man Flügel? Mit F wie Friedrich. Man schreibt es nicht mit V wie Viktor, sonst hieße es Vlügel. Schon gar nicht schreibt man es aber "mit V wie Flügel". Das ist widersinnig, man muss es erst gar nicht auf der Buchstabiertafel suchen. Nein, richtig ist: Friedrich Ludwig Übel Gustav Emil Ludwig - Flügel.

Noch bevor die Volksbank finanziell zu taumeln begann, knockte sie mit ihrem Werbeslogan "Volksbank. Mit V wie Flügel" die gängige Rechtsschreibung aus. Mittlerweile haben die Volksschüler dieses Landes den Spruch so oft gehört, dass es für sie während des Schuldiktats nur wenig Zweifel gibt: "Ins Wasser darf ich nur mit Schwimmvlügeln." Es würde den gemeinen Bürger nicht wundern, wenn der Lehrer selbst den Fehler übersähe. Warum aber betreibt die Volksbank flächendeckend Volksverdummung? Weil es ein eingängiger Spruch ist. Er irritiert sprachkundige Menschen, bricht ihre Erwartungen vom gepflegten F am Flügelanfang und sorgt damit für Aufmerksamkeit.

Die Agentur DMB, die den Volksbank-Slogan 2007 erfand, wendet nun für eine Kampagne des Markenartikelverbands einen ähnlichen Schmäh an. Sie präsentiert ein neues Alphabet für Marken, deren Anfangsbuchstaben jeweils für ihr Image stehen. So heißt es etwa: "B... wie Kräuter aus der Provence"(Bresso). Oder: "S... wie Bombenerfrischung"(Schartnerbombe). Und: "W... wie Heimat" (Wiener Zucker). Weil so viele Marken mitmachen, hat das Alphabet nun aber 32 statt 26 Buchstaben.

Was soll's, ist auch schon wurscht!


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