Performance ist Glückssache: Lotto spielen mit der zweiten liga für kunst und kultur

Lexikon | Theaterkritik: Hermann Götz | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015

Zugeben will es niemand, aber passiert ist es wohl den meisten schon einmal: Ein Doppeljackpot steht an, und plötzlich werden auch im Szenebeisl und beim Waldorfschulelternabend Erwägungen gewälzt: ob man nicht vielleicht doch eine Spielgemeinschaft bilden soll, um das Ding zu knacken? Dann könnte man tatsächlich das Passivtraumhaus finanzieren oder die Soundanlage für die Auch-mit-40-geht-noch-Punk-Band. Und während die Spielgemeinschaft den zweiten Diskonter-Rotwein öffnet, verbreitet sich die wohlige Sicherheit, dass die Millionen schon überwiesen sind. Was soll noch schiefgehen?

Die aktuelle Arbeit der zweiten liga für kunst und kultur heißt zwar "Nix is fix", aber das ist Rhetorik: Es geht genau um dieses Gefühl. Im Fall der liga hat sich die Spielgemeinschaft vorgenommen, basisdemokratisch ermittelte Entwicklungsmaßnahmen für die Triestersiedlung zu finanzieren. Also wird vereinsmeierisch erläutert und moderiert, bis dann das live eingespielte Ritual der ORF-Lotto-Ziehung das Motto des Abends bestätigt: "Realität ist Glückssache."

"Nix is fix" wird von Klaus Meßner als Solo gebracht. Mit entspanntem Bemühen versucht er den wundervoll bösen Charme der Idee durch den Abend zu tragen, den stimmig spröden Rahmen dazu bietet das Atelierhaus Schaumbad, wo wachsende Ziegelwände als provisorischer Bühnenhintergrund dienen. Wer Meßner und die liga kennt, weiß wohl, dass sich Provisorium und Fragment auch immer wieder gut zur Charakterisierung ihrer Arbeit eignen. Enttäuscht sein werden folglich nur die, die sich mehr erwartet haben.

Schaumbad, Graz, So 18.15, Mi 17.45


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