Tiere

Härtefall

Falters Zoo | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015


Um es mit Ike und Tina Turners Intro zu ihrem Hit „Proud Mary“ zu formulieren: Ab und zu wollen Sie etwas Nettes und Leichtes in dieser Kolumne lesen. Aber die Sache ist, ich schreibe niemals etwas nett und leicht. Ich mache es immer entspannt, aber hart. Also gibt es zu Beginn dieser Kolumne etwas zum Lachen, das Ihnen dann am Ende vergeht.

In den Wissenschaftsteilen der Medien war letzte Woche zu lesen, dass die Penisknochen der Eisbären schwächeln. Das erinnert an Dieter Bohlen, der einen Großteil seiner Biografie mit der Beschreibung eines Penisbruchs füllte. Oder auch an die verzweifelten Versuche von Jungmännern, die ihre Tanzpartnerin mit einer in die Hose geschobenen Colaflasche beeindrucken wollen. Männliche Menschen haben nämlich im Unterschied zu Schimpansen und vielen anderen Tierarten keinen Knochen in ihrem Begattungsorgan. Nicht mehr, denn die Evolution reduzierte dieses (Anm.: Knochenteil). Über die Gründe dafür streitet man noch, aber es gibt krude Theorien: Ein Penisknochen verbirgt Erektionsstörungen, die aber ein Hinweis auf Krankheiten wie Diabetes oder mangelnde Fitness sein können. Daher hätten sich Frauen bevorzugt mit Männern gepaart, bei denen diese knöcherne Struktur schwach ausgeprägt war, um die Gesundheit der Väter ihrer zukünftigen Kinder besser einschätzen zu können. Andere argumentieren, dass man bei aufrechtem Gang – und vor allem bei der Flucht vor Feinden – von einem steifen Penis eher behindert wird.

Bei Eisbären können wir beide Annahmen ausschließen, denn eine dänische Studie belegte einen pathologischen Einfluss sogenannter endokriner Disruptoren auf diesen Knochen. So bezeichnet man Stoffe, die das Hormonsystem von Lebewesen verändern und die seit Beginn der industriellen Chemie vor mehr als 100 Jahren in großen Mengen in die Umwelt und damit in die Nahrungskreisläufe gelangen. Eine solche Substanz ist zum Beispiel DDT, dessen Konzentration sich vom ozeanischen Zooplankton bis zum Fischadler als Endkonsumenten der Nahrungskette um das 625-Fache erhöht. Auch Eisbären stehen an der Spitze der Nahrungspyramide und nehmen alle Umweltgifte hochkonzentriert auf. Jetzt vermutet man, dass weniger die Klimaerwärmung als die erschwerte Fortpflanzung der Grund für den Rückgang der Polarbären ist. Bleibt hart, Eisbären!


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