Theater Kritik

Technisches K.O. in der Josefstadt

Lexikon | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015

Zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren wurde auf einer Wiener Bühne ein Stück namens "Der Boxer" uraufgeführt. Aber anders als Franzobels Farce über Aufstieg und Fall des Wiener Boxhelden Hansi Orsolics (Kasino, 2011) ist Felix Mitterers gleichnamiges Drama eine echte Tragödie. Erzählt wird die Geschichte von Johann "Rukeli" Trollmann, der 1933 deutscher Meister im Halbschwergewicht war, als Sinto aber bald den perversen Rassegesetzen zum Opfer fiel. Erst wurde ihm der Meistertitel aberkannt, und 1943 wurde er im KZ Neuengamme ermordet. So weit die Fakten. Mitterer spitzt alles auf den Konflikt zwischen Trollmann (Gregor Bloéb) und einer fiktiven Figur namens Reinhard Wolf (Raphael von Bargen) zu. Der stramme Nazi, der den tänzerischen Boxstil Trollmanns für "undeutsch" befindet, ist zuerst als verkrampfter Boxer im Ring und dann als sadistischer Kommandant im KZ sein Gegenspieler. Im Lager lässt Wolf seinen früheren Sportkameraden gegen andere inhaftierte Profiboxer zu grausamen Kämpfen auf Leben und Tod antreten. Trollmann gewinnt sie alle, am Ende aber wird er trotzdem erschlagen.

Dass so ein starker Stoff auf der Bühne so wenig Wirkung hinterlässt, liegt vor allem an Mitterers altmodischem Stück, in dem die Figuren entweder gut oder böse sind und das dramaturgisch so spannend aufgebaut ist wie ein Schullehrfilm. So kann man heute keine Stücke mehr schreiben. Regisseurin Stephanie Mohr ist es nicht gelungen, das Stück spannender zu machen; originellster Regieeinfall ist die Inszenierung der Kämpfe, in denen die Boxer nicht aufeinander, sondern auf Sandsäcke einprügeln. Am besten sind die ersten Minuten, die Bloéb leichtfüßig tänzelnd beim Boxtraining zeigen. Aber da ist ja auch noch kein Satz gefallen.

Theater in der Josefstadt, Do 19.30


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