Kunst Kritik

Anno dazumal: Postkartengrüße in Eilschrift

Lexikon | NS | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015

Die Lesbarkeit ist ein zentrales Thema der bildenden Kunst, das Julien Bismuth in seiner Schau bei Emanuel Layr auf hintersinnige Weise angeht. Der Betrachter stößt dort auf mit Schrift bedruckte Seiten, die aber unleserlich bleiben. Bei den ans Arabische erinnernden Schnörkel handelt es sich um Stenografie, einst zentrale Kompetenz von Sekretärinnen, in digitalen Zeiten aber obsolet geworden. Bismuth hat allerhand Material gesammelt, wie in Steno beschriebene Vintage-Postkarten, ein Tagebuch von 1921 oder Werbungen für Stenotypiekurse, und stellt die Technik der Eilschrift dadurch in einen kulturellen Kontext. Am Boden stapelt er die verwendeten Druckschablonen, analoge Residuen einer Technik, die ebenso am Verschwinden ist.

Galerie Emanuel Layr; bis 14.3.


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