Bis auf den Namen ...

Ein neues, hübsches Lokal in Neubau mit spanisch-asiatischer Mischung

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 06/15 vom 04.02.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Die Gefahr des Beckmesserns liegt hin und wieder in der Luft, weshalb wir uns der hier ganz bewusst stellen wollen, um danach mit den wesentlichen Dingen fortfahren zu können: Der Name „Der Fuchs und die Trauben“ ist kacke. Also nicht nur, weil’s schon genug blöde Namen gibt, sondern auch, weil das Wesen der Fabel vom Fuchs und den sauren Trauben wohl irgendwie nicht so recht verstanden wurde. So, und das war’s schon.

Denn: Dieses neue Lokal, das Ken und Patrick Reitermayer Mitte Dezember in der sonst ja eher ein bisserl ruhigen Kandlgasse eröffneten, ist wirklich super. Es sieht mit seinen in den Sitznischen recht dezent eingesetzten andalusischen Fliesen, gelbem Licht aus Industrielampen, schönem Holzmobiliar, grau-blau gestrichenen Wänden, lebhafter Bar und offen einsehbarer (aber mit Glas abgeschirmter) Küche wirklich gut aus. Und es hört sich mit seiner Sound-Mischung aus Soul und Soft Jazz auch wirklich gut an.

Auf der schwarzen Tafel stehen lauter Weine, die man überaus gerne trinken würde, und aus dem Zapfhahn kommt Tegernseer vom Fass, das ja bekanntermaßen runtergeht wie Wasser, aber sehr viel besser schmeckt als dieses.

Ken und Patrick Reitermayer sind neu in der Wiener Beislszene. Zumindest ein bisschen, denn ihr Vater hat in den vergangenen 25 Jahren an die 90 Lokale in ganz Europa eröffnet, darunter auch ganz schön viele in Wien, von denen ein paar explizit Geschichte schrieben (Segafredo am Graben, e tricaffè), die Söhne kamen dementsprechend in der Welt herum.

Was sich in der Karte des DFudT auch zeigt, und zwar auf völlig unpeinliche, ungezwungene Art: eine Fusion aus spanischer, italienischer, japanischer, nordafrikanischer und amerikanischer Küche, und zwar in der sympathischsten Darreichungsform der westlichen Ess-Welt – als Tapas. Frittierte Pimientos de Padron, zum Beispiel, die besten kleinen Grünen Paprika der Welt (€ 3,90); oder Tempura aus Okra und Süßkartoffel mit Wasabi-Mayonnaise, grundsätzlich super, die Mayo war leider zu fad (€ 4,50); oder Polpette toscane, recht flaumige, gut mit Kräutern gewürzte Fleischbällchen mit erstklassiger Marinara-Sauce (€ 3,90); oder hausgemachte, knusprig gebratene Gyozas mit Fleisch-Kraut-Frühlingszwiebel-Ingwer-Fülle, extrem gut (€ 4,90)

Oder auch extrem gute „pinchitos“, kleine Spießchen mit intensiv gewürztem, gegrilltem, saftigem Schweinefleisch, deren einziger eklatanter Fehler darin lag, dass zwei Spießchen sowohl um diesen Preis als auch angesichts dieser Köstlichkeit einfach zu wenig sind, um einen froh zu machen (€ 5,50).

Burger mit hausgemachtem Ketchup oder Chicken-&-Blue-Cheese-Baguette gibt’s übrigens auch, sind sicher eh super, aber die Tapas klingen da sehr viel sexier. Blöd nur, dass die Crostini mit Stockfisch-Creme aus waren.

Resümee:

Tapas, endlich einmal ein bisschen anders als sonst – witziger, kreativer, frischer, handgemachter. Fast so, wie man’s in Barcelona macht.

Der Fuchs und die Trauben
7., Kandlg. 16
Tel. 01/231 39 17
Di–Sa 17–1 Uhr
www.derfuchsunddietrauben.com


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