Phettbergs Predigtdienst

Wie wenn's eine Aktion der Not gäbe

Falter & Meinung | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015

Dann gingen wir ins Kino, und ich musste weinen wegen der Krebserkrankung des Herrn Johannes Gruber. Ziemlich lange und ziemlich fest. Doris Knecht ist eine großartige Autorin. De facto war das Gehen des Herrn Gruber eine "Passage Gottes". Er wurde immer sanfter und liebenswürdiger und behutsamer. Ein großartiger Roman, ein großartiges Kinoerlebnis: "Gruber geht"! Geweint habe ich vor allem, als Herr Gruber entdeckte, dass er nun keine Kinder mehr zeugen könnte, wenn er stirbt. Und ich habe auch noch nie ans Kinderzeugen gedacht und nun im hohen Alter steh ich allein da und hab keine Chance auf Fortsetzung meiner wertvollen Fenz-Gene.

Über die U3 brachte mich Sir eze mit dem Rollstuhl ins Cine-Kino am Fleischmarkt zu John Malkovich & "Casanova Variations". Wenn du diesen Film nicht siehst, bleibst du dümmer! Noch nie sah ich in einem Kinofilm so viel Weisheit, Wahrheit und Hochschule für Pornografie. Ich habe jetzt innerhalb weniger Tage drei Kinofilme gesehen: "Ich seh, ich seh" und "Gruber geht" und "Casanova Variations". So viel Gier zum Ficken und Kinderzeugen drängt direkt, wie wenn's eine Aktion der Not gäbe, dass Europa an Kinderarmut ausstürbe? Generell ist es auch so, dass alle Welt in sexueller Not steckt, sogar der Papst macht Witze über die Karnickel, die schon wie die Katholiken zeugen ...

In "Gruber geht" tauscht sich Manuel Rubey, das heißt der Herr Gruber, im Fitnesscenter mit einem Mittrainierer über sein Leid aus, und plötzlich liegen sie im Bett. Viel und oft hörst du auch im "Variations"-Film, dass über Giacomo Casanova gemunkelt würde, er sei schwul. Obwohl ja kein Mensch damals wissen konnte, dass wir das heute "schwul" nennen. Ich müsste endlich einmal so reif werden, dass ich so flirten könnte, wie Casanova es schon vor Jahrhunderten konnte. Wir Neuen sind viel, viel schüchterner geworden, als Menschen es je waren, denke ich halt.

Und wie viel reife, "erwachsene" Leute sah ich in den Filmen jetzt, während ich all die Jahrzehnte vorher nur alt gewordene Pubertierende gesehen habe, doch jetzt kommen reale Personen ins Geschehen hinein. Frauen, die ausschauen wie Mütter, und Männer, von denen du wahrnimmst, das seien die Väter der Männer.

Phettbergs Predigtdienst ist auch über www.falter.at zu abonnieren. Unter www.phettberg.at/gestion.htm ist wöchentlich neu zu lesen, wie Phettberg strömt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige