Zu Besuch beim Häftling mit den verwesenden Füßen

Warum konnten die Beine des Insassen Wilhelm S. in der Justizanstalt Stein so verwahrlosen? Erstmals erzählt er der Öffentlichkeit seine Version der Geschichte

Politik | HAFTBESUCH: FLORIAN KLENK | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015

Der Wachebeamte der Wiener Justizanstalt Mittersteig klimperte mit dem Schlüsselbund und schob ein "Jetzt müss ma leider aufhören" nach. Es war am Ende eines langen Gespräches, am Ende der Besuchszeit, als Wilhelm S. einen sehr bedrückenden Satz sagte.

"Ich hatte mir vorgestellt, dass mir irgendwer da draußen einmal die Frage stellt, wer ich eigentlich bin. Wie ich eigentlich lebe. Wie es eigentlich dazu kam."

Einen Brief, eine Ansichtskarte vielleicht, irgendein Zeichen der Anteilnahme, so etwas hätte Wilhelm S. von den Österreichern erwartet. Nur der Anstaltsseelsorger schrieb ihm einen Urlaubsgruß aus Kuba.

Gewiss, vergangenes Jahr, nach Erscheinen des Falter-Berichts, den Wilhelm S. "selbstverständlich nicht gelesen" hat, "weil er mich selbstverständlich nicht interessiert", kam der Justizminister mit dem obersten Gefängnisgeneral auf einen Besuch nach Krems-Stein.

Die Bilder seiner nach Verwesung riechenden Beine hatten nicht nur Minister Wolfgang Brandstetter schockiert, sondern


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