Wo das Geld besser ist

Im Ausland arbeiten, besser verdienen, egal, zu welchen Bedingungen. Der Rumäne Francisc Valicsek lebt von seiner Beschäftigung als Forstarbeiter in der Steiermark

Steiermark | REPORTAGE UND FOTOS: THERESA HARTLAUER | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015


Foto: Theresa Hartlauer

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Es ist still. Frischer Schnee hat über Nacht die Forststraße unter sich begraben. Zwei Holzhäuser stehen eingebettet in der Dunkelheit am Rand des Waldes. Der Mond hängt noch in den Wipfeln der Bäume und lässt kaum erahnen, dass es bald hell sein wird. Francisc Valicsek, Joan Szkipala und Vasile Bar sind die einzigen Gestalten, deren Schritte die Ruhe der Nacht stören. Normalerweise fahren die Rumänen gemeinsam. Heute aber fährt Valicsek nicht mit den anderen. Der Lieferwagen, der unter einer dicken Staubschicht einmal weiß war, ächzt, als der Forstarbeiter die Motorsäge in den Kofferraum hievt. Er wird sie heute noch brauchen. Der Wagen läuft bereits. Zigarettenrauch und Abgase vermengen sich mit den weißen Atemwolken der Männer. Am Horizont färbt sich der Himmel langsam rot.

1994 ist Francisc Valicsek, den hier jeder nur als Franz kennt, das erste Mal nach Österreich gekommen. Auf der Suche nach Arbeit und mit der Hoffnung auf besseres Geld hat er damals im Forst angefangen. „Da habe ich eine schlechte Firma bekommen.“ Er lacht, als sei es ein unglücklicher Zufall gewesen. Es liegt schon zu lange zurück, um sich zu beschweren. Ein Jahr hielt er durch. Im letzten Monat gab es dann kein Geld mehr. Dass er schwarz gearbeitet hat, wurde ihm erst nach einer Verletzung gesagt. Er zuckt die Schultern. So war das damals eben. Zwölf Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, den ganzen Sommer lang hat er gearbeitet. Im Winter etwas weniger, wegen des Wetters. Aber das Geld hat gestimmt. 80 Schilling in der Stunde hat Valicsek verdient. Genug, um nicht aufzuhören. Erst als der Lohn nicht mehr bezahlt wurde, ist er zurück in die Slowakei gefahren, um wieder als Maurer zu arbeiten.


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