Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Dunkle Tage

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015

Die Toten von Oberwart waren bestattet, aber die Peinlichkeit blieb. Beim Begräbnis hatten sich einige jener Politiker, die am Anfang um Worte sehr lange verlegen gewesen waren, dann um die Plätze bei dem vom Fernsehen übertragenen Begräbnis gebalgt. Martin Staudinger und Bernhard Odehnal berichteten davon und stellten eine Chronik zusammen, wie das Innenministerium mit der Serie der Bombenanschläge umgegangen war -ein Debakel für den Innenminister Franz Löschnak (SPÖ).

Im Kulturteil lieferte Schriftsteller Josef Haslinger, dessen Roman Opernball gerade erschienen war, im Gespräch mit Klaus Nüchtern eine Diagnose der österreichischen Verhältnisse: "Seit Ende 1992, seit Österreich beginnt, sukzessive und radikaler als alle anderen westlichen Staaten, Fremdengesetze zu machen, ist das ganz offensichtlich: Ein längerfristiges Denken, das man auch intellektuell vermitteln müsste, gibt es nicht. Wenn ein Wiener Bürgermeister oder ein Wohnbauverantwortlicher gefragt wird, warum die hier lebenden und Steuern zahlenden Menschen, die keinen österreichischen Pass haben, nicht in den sozialen Wohnbau aufgenommen werden, dann lautet die Antwort schlicht und einfach: Die Leid woin des ned. Dabei lässt sich beweisen und wäre auch einer Mehrheit vermittelbar, dass der Schaden für die Stadt mit der Zeit wesentlich größer ist, wenn man sie nicht reinlässt

Es ist ja ungemein leicht für einen Politiker -und am besten kann er das in der Opposition, weswegen der (Jörg) Haider dieses große Gewicht bekommen hat - den Status quo von Gefühlen zu bestätigen, was bei Meinungsumfragen rauskommt und, wenn man es bestätigt, dann kriegt man's erst recht raus. Da kann ich die Politik gleich aufgeben und das ganze Handwerk den Meinungsforschern überlassen -gemacht wird, was die grad rauskriegen. Das würde letztlich auf eine Mediendemokratie hinauslaufen: Medien, Politiker und Bevölkerung bestätigen sich wechselweise, und es gibt überhaupt keine Politik mehr im Sinne eines längerfristigen Ordnens gemeinsamer Angelegenheiten."


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