... kam kein Tier zu Schaden

Der Pionier des veganen Schweinsbratens eröffnet ein veganes Burger-Lokal

Stadtleben | LOKALKRITIK: FLORIAN HOLZER | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Kurzer biografischer Prolog: Ende der 1970er-Jahre brachte der damals führende Diätwarenhersteller das erste zuckerfreie Cola auf den Markt. Ich war damals Teenager, litt an Diabetes und hatte Cola bis dahin noch nie getrunken. Das Diät-Cola schmeckte erbärmlich, ich war dennoch sehr glücklich darüber.

Karl Schillinger hat sein veganes Burger-Lokal „Swing Kitchen“ jetzt endlich fertig. Und die Frage, die sich zwangsläufig stellt, nämlich warum ein vegan lebender Mensch gerade Burger essen wollen sollte, wird spätestens dann beantwortet, wenn man das Lokal betritt: Es sieht ziemlich genauso wie ein moderner Burger-Laden aus, es riecht genauso wie ein Burger-Laden nach heißem Frittierfett – und es ist rammelvoll. Es scheint also irgendein Bedürfnis zu befriedigen, also etwa jenes, auch als Vegane/Veganer an kulinarischer Subkultur teilhaben zu können.

Vielleicht. Vielleicht ist es auch ganz anders. Die Quote der Lederschuh-Träger im Swing Kitchen lag immerhin bei geschätzten 99 Prozent, die der Daunenjacken-Träger bei 50, die der Wollpullover-Verwender bei etwa 80 Prozent. Also vielleicht glauben die Menschen hier ja auch, sich „gesund“ zu ernähren, vielleicht gehen sie sonst in eines der gefühlten 8000 Burger-Lokale in Wien und probieren dann zur Abwechslung mal den veganen.

Zu dem kommt man übrigens, indem man an einer Kasse bestellt, was auch etwas länger dauern kann, denn der Erklärungsbedarf ist offenbar enorm. Man bekommt dann eine Rechnung mit einer dreistelligen Nummer, die nach kurzem Warten aufgerufen wird, mitunter von Menschen mit zarter Stimme oder undeutlicher Aussprache, was dann regelmäßig zu Lieferstau führt. Aber okay. Der Chefsalat sieht genauso aus wie der bei der Burger-Kette, nur halt in kompostierbarem Schachterl, gehäckseltes Gemüse, bitterer Radicchio, kein Öl, nur picksüßer Pseudo-Balsamico. Dass gerade das einzige „wirklich“ vegane Gericht so lieblos gemacht wird, ist erstaunlich (€ 6,20). Die Pommes werden als „best in town“ angekündigt. Sagen wir so: Sie sind okay, grob geschnitten und wie meistens in Burger-Hütten viel zu weich (€ 2,80).

Der Cheeseburger ist bunt und farbenfroh, sieht aus wie ein Burger, das Weckerl wirkt seltsam künstlich, wie Schaumstoff, das Laberl fühlt sich wie Fleisch an, schmeckt aber nach Karton, einzige Aromakomponente ist eine violette Sauce, und die ist extrem süß. Vom Standpunkt der Entbehrung kann das als Burger-Ersatz durchgehen, geschmacklich nicht (€ 5,80). Wirklich schlimm wird’s aber bei einem Gericht namens Asia „Duck“, bei dem in süß-scharfer Marinade braun gefärbte, labbrige Seitanstreifen auf oben erwähntem Salat zu liegen kommen (€ 4,60). Wär ich Veganer, käme ich mir verarscht vor. Vielleicht wäre ich aber auch genauso glücklich wie damals mit dem diabetischen Ekel-Cola, wer weiß.

Resümee:

Das lange angekündigte vegane Burger-Lokal hat endlich offen. Und es gibt Gründe, dorthin zu gehen. Neugierde etwa.

Swing Kitchen
7., Schottenfeldg. 3
Mo–Sa 11–22 Uhr
www.swingkitchen.com


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