Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

20 Jahre Oberwart: Ausstellungen über Roma in Österreich

Politik | JOSEPH GEPP | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015

Es war dieser Tage vor 20 Jahren, als ein Bombenanschlag im burgenländischen Oberwart vier Roma das Leben kostete. Sie tappten in eine perfide Sprengfalle, als sie ein Schild entfernen wollten, auf dem "Roma zurück nach Indien" stand.

Der Anschlag von 1995 galt einer Volksgruppe, die bereits Jahrzehnte zuvor massiv verfolgt worden war: Von einst rund 12.000 Roma in Österreich starben etwa 90 Prozent in den Konzentrationslagern der Nazis. Damit setzt sich ab Donnerstag eine Ausstellung im DÖW im Wiener Alten Rathaus auseinander.

Die Schau handelt von einer Romni, die sich auf die Suche nach ihren Wurzeln macht: Die oberösterreichische Künstlerin und Aktivistin Marika Schmiedt hat etwa Transportlisten, Häftlingslisten, Karteien aller Art, Polizeiprotokolle, Geburts-und Sterbematrikeneinträge und Opferfürsorgeakten durchforstet. Daraus rekonstruiert Schmiedt die Geschichte ihrer ermordeten Vorfahren. So stieß sie etwa in den Akten auf das einzige Foto ihrer Großmutter Amalia Horvath, aufgenommen von den Mördern im KZ Ravensbrück. Der Eintritt ist frei.

Eine weitere Ausstellung im Wien Museum am Karlsplatz, die Schau "Romane Thana", konzentriert sich auf Orte der Roma-Geschichte, beispielsweise Siedlungen im Burgenland, Plätze in Wien oder Zwangsorte der Verfolgung. Im Mittelpunkt stehen Beiträge von Roma selbst, etwa Fotos und Kunstwerke - eine Gegenperspektive dazu, dass Roma stets gern von Nicht-Roma beschrieben und dargestellt worden sind.

Interessant ist auch ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung im Wien Museum, das beispielsweise Vorträge zur Sprache der Roma oder zum Ausdruck "Zigeuner" umfasst. Näheres dazu findet man auf der Website des Wien Museums. F

Was bleibt: Fragmente einer fortwährenden Vergangenheit: 12.2.-12.3., 1., Wipplingerstr. 6-8 (Eingang im Hof) Romane Thana: Orte der Roma und Sinti. 12.2.-17.5., 4., Karlsplatz 8, wienmuseum.at


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige