Mediaforschung Verführungskolumne

Warum eine Modemarke mit dem höheren Preis wirbt

Medien | BENEDIKT NARODOSLAWSKY | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015

Das typische Modeplakat ist so reduziert wie der Preis der angepriesenen Kleidung. Weißer Hintergrund, kaum Text. Nur das Bild einer Dame in Reizwäsche, dazu das Wort "BH", der Preis "12,-" und das Logo "C&A". Oder: ein Model im Kleid, dazu das Wort "Kleid", die Zahl "19,99 €" und das Logo "Mango". Slogans sind selten, wenn es sie gibt, dann klingen sie wie der des Textildiskonters Kik: "Nur nackt ist billiger!"

Am 24. April 2013 stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ein. Das Gebäude war ebenso marode gewesen wie die Arbeitsbedingungen. Arbeiterinnen wurden geschlagen, mussten zu unmenschlichen Bedingungen schuften und Überstunden schieben. Beim Einsturz starben rund 1130 Menschen, viele weitere verloren Gliedmaßen und wurden arbeitsunfähig. Die Opfer hatten Kleidung für mindestens 28 westliche Unternehmen hergestellt, darunter für die Marken Kik, Mango und C&A. Für den niedrigen Preis auf dem Plakat hatten Menschen auf der anderen Seite der Erdkugel teuer bezahlt.

Anlässlich der Berliner Fashion Week persiflierte die Fairtrade-Marke Armedangels nun gekonnt die gängige Modewerbung. Jeans, statt 39,90 jetzt 99,90. "Made by Humans", stand klein darunter. "Unser Ziel war es, mit dem Plakat unsere Haltung klarzumachen. Wir wollen auf das soziale Ungleichgewicht in der Modebranche aufmerksam machen und kämpfen dafür, dass sich hier etwas ändert", sagt Armedangels-Chef Martin Höfeler. "Mode soll Spaß machen, aber eben nicht nur dem, der sie trägt."


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