Film Neu im Kino

Liebe hoch drei: "Sehnsucht nach Paris"

Lexikon | SABINA ZEITHAMMER | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015

Ob sie Ben Hur, dem Zuchtbullen, für den Wettbewerb nicht ein Diadem aufsetzen sollten, schlägt Brigitte ihrem Mann Xavier vor. Harsch antwortet er, dass eine Disqualifizierung die Folge wäre. Auf dem Siegerfoto trägt die Rinderzüchterin schließlich selbst das Diadem.

Lust auf Abwechslung ist es, die bereits in diesen ersten Szenen von Marc Fitoussis "Sehnsucht nach Paris" mitschwingt. Die Beziehung des Ehepaars ist nicht tot, doch hat sich Ferne eingeschlichen. Brigitte bricht aus: Sie reist einer Partybekanntschaft, dem jungen Stan, nach Paris hinterher. Im Hotel begegnet sie bald darauf dem attraktiven Jesper. Xavier wiederum macht sich auf die Suche nach seiner Frau.

Fitoussis Film lebt von seiner Hauptdarstellerin Isabelle Huppert. Sie verkörpert Brigitte mit ihrer ureigenen geheimnisvollen Unterkühltheit, in die sie das Mädchenhafte, Entflammte und Erwartungsvolle einfließen lässt: die Facetten einer Frau, die mit drei unterschiedlichen Männern drei unterschiedliche emotionale Innenwelten auskostet. Jean-Pierre Darroussin, Michael Nyqvist und Pio Marmaï erfreuen in den männlichen Hauptrollen.

Mit Blicken und Gesten steckt Fitoussi den Rahmen seiner Figuren lose ab und gibt vieles der Interpretation der Zuschauer preis. Umso stärker wirken pointierte Dialoge, wenn es ans Eingemachte geht -und manches Detail aus der Vergangenheit ans Tageslicht kommt.

Seiner durchaus kontroversiellen Geschichte nach hätte "Sehnsucht nach Paris" in vielen Genres beheimatet sein können. Fitoussi entschied sich für eine Mischung aus zartem Liebesfilm und schaumgebremstem Feel-Good-Märchen, das Konflikten ausweicht. Das Ende -eine wunderschön gefilmte Szene von Kamerafrau Agnès Godard -lässt er trotzdem offen.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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