Kunst Kritik

The Big Sleep: zum Gähnen ins 21er Haus

Lexikon | MD | aus FALTER 07/15 vom 11.02.2015

Ausstellungen zum Thema Geschwindigkeit müssen nicht unbedingt schnell sein, und eine Kulinarikschau muss das Publikum nicht satt machen. Wenn allerdings eine Großausstellung über das Bett in Geschichte und Gegenwartkunst mit dem aufmunternden Titel "Schlaflos" eine Wirkung hat wie ein Tranquilizer, ist etwas gründlich danebengegangen. Erster Schwachpunkt der Schau ist die Art der Präsentation. Das Hauptelement sind Vorhänge, die allerdings viel zu groß sind, um Intimität zu suggerieren; der Raum wirkt unpersönlich.

Dutzende Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Videoarbeiten hat 21er-Haus-Kurator Mario Codognato zusammengetragen, um die Geschichte des Bettes zu bebildern. Der Bogen reicht von einem pornografischen Fresko aus Pompeji über einen Schlafzimmermord der Barockmalerin Artemisia Gentileschi bis zu Celebrityfotografen wie Bettina Rheims oder Jürgen Teller. Das Bett als Ort der Geburt, der Sexualität und des Todes wird als existenzieller Hypertopos beschworen; ohne Rücksicht auf den sehr unterschiedlichen Entstehungszusammenhang der Bilder reihen sich Leintücher an Leintücher, Kopfkissen an Kopfkissen. Schwammige Unterkapitel wie "Geburt","Liebe","Einsamkeit" und "Tod" vermögen die konzeptuelle Schwäche dieses Projekts nicht zu kaschieren. Was verbindet etwa das Repräsentationsbett einer französischen Königin mit einer von Larry Clark fotografierten Junkie-Matratze der 1970er-Jahre?

Man muss nicht die Literatur über den Strukturwandel des Privaten und den Terror der Intimität gelesen haben, um zu erkennen: Hier werden unterschiedliche Bildwelten lediglich um des Motivs willen miteinander gekreuzt. Wäre diese Ausstellung ein Bett, würde man darin wohl Patienten unterbringen.

21er-Haus, bis 7.6.


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