"Das sind Steine, keine Menschen"

Boris Pasternaks Roman "Doktor Shiwago" ist ein schonungsloses Panorama der Oktoberrevolution

Feuilleton | Würdigung: Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Die Publikationsgeschichte dieses Monumentalwerks war ein Politikum. Boris Pasternaks Roman "Doktor Shiwago" rechnet kritisch mit der Oktoberrevolution ab und konnte aus diesem Grund nicht in seiner Heimat Russland erscheinen. Aber auch die Publikation beim Verlag des Mailänder Millionärs und Paradelinken Giangiacomo Feltrinelli im Jahr 1957 war von Konflikten und politischen Intrigen begleitet, die Pasternak weiter zusetzten.

Er starb 1960, nur drei Jahre nach Erscheinen des Romans. Auch die Verfilmung von 1965 unter der Regie von David Lean war ein Erfolg. Noch heute kann man das Buch kaum lesen, ohne die Gesichter dieser Protagonisten vor sich zu sehen.

Die Handlung erstreckt sich über 40 Jahre, beginnend mit dem Jahr 1903, in dem Juri Shiwago, der Sohn einer verarmten Industriellenfamilie aus dem fernen Ural, seine Mutter verliert. Sein Vater hatte sich, nachdem er das Vermögen durchgebracht hatte, aus einem Zug gestürzt.

Juri wächst bei der Professorenfamilie Gromeko auf und wird


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