Ohren auf Aus lokalem Anbau

Poetischer Rock und ein Whisky zum Frühstück

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Was aus Chris Duller wurde, dem legendären Falter-Musikkritiker der 1980er-und 90er-Jahre? Nichts Genaues weiß man nicht, einmal monatlich legt er aber immer noch im Chelsea auf, und er trommelt bei Ich bin zu dritt, einem Zusammenschluss von vier alten Hasen der Wiener Szene. Das in charmantem Schuhkartonsound angerichtete Debütalbum "Heaven, Hell &Bollocks" (Threesome Me) unternimmt eine Zeitreise ins Jahr 1987 und beschwört eine Ära herauf, als in der Blue Box noch Lachverbot herrschte. Allerdings frönen Ich bin zu dritt nicht dem grobschlächtigen Existenzialisten-Macho-Rock, sondern sie geben sich bei grundsätzlich geradliniger Ausrichtung ansprechend zurückhaltend, poetisch und melodieselig.

Einwandfreie Genremusik verabreichen die lokalen Herzensamerikaner The Neatpickers auf ihrem zweiten Album "Feverish Hearts" (Lindo). Das Genre heißt Americana, es wird countrylastig zweistimmig und liebevoll arrangiert gedeutet, das Cover ist hübsch, und das eine oder andere Textklischee zwischen Highwayfieber und dem Blues, der dich kriegt, sei dem Sextett nachgesehen.

Americana prägt auch die Welt des Singer/Songwriters Hadu Brand, was auf "Pink Nose Ring"(Pumpkin) allerdings vor allem Folkpop meint, in ausgeschlafener Fauler-Willi-Manier gefühlvoll angerichtet.

Nach einem Schluck Whisky und einer Portion narrischen Schwammerln zum Frühstück tönen The Talltones aus dem südkärntnerischen Techelsberg. Ausgestattet mit Trompete und Bluesgebrumme (Richie Klammer), rockaffiner Jazzgitarre (Primus Sitter) und lässigem Kontrabass (Stefan Gfrerrer), geht es auf "Talltones 2" (ATS) um "Marie" und das "Schotzale"; vor allem aber setzt das Trio auf abenteuerlustige Coverversionen in ganz neuen Arrangements, von Randy Newman und Brecht/Weill über The Doors und die Bambis bis zu Motörhead und Georg Danzer.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige