Enthusiasmuskolumne Diesmal: witzigste Todesangst der Welt der Woche

Gibt's auch: witzige amerikanische Lyrik

Feuilleton | Armin Thurnher | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Mitunter werden hier neue Pop-Platten angepriesen. Warum also nicht einmal Pop-Poesie, denn auch sie bleibt vielleicht für immer unübersetzt. Der US-Amerikaner Michael Robbins wäre ohne Popkultur undenkbar. Er ist aber auch ein überaus gelehrter Dichter und Universitätsprofessor. Die angelsächsische Kultur der Poesie bringt eben Phänomene wie ihn hervor.

Michael Robbins scheint schon deswegen sympathisch, weil er zwei Bücher herausbrachte, deren Titel er beide gestohlen hat. The Second Sex stammt bekanntlich von Simone de Beauvoir und Alien vs. Predator war ein eher billiger Science-Fiction-Film.

Enthusiastische Kritiker (es gibt fast nur solche) bezeichnen Robbins gern als Kreuzung aus Hochlyriker und Rapper, und tatsächlich gedeiht seine Sprache auf beiden Kulturen, jener der Lyrik und jener des Pop. Eine "himmelblaue Originalität der Äußerung" attestierte ihm der Kritiker der New York Times. Ein Beispiel:

After the first sex, there is no other. I stick my gender in a blender and click send. Voilà! Your new ex-girlfriend.

"Gemmengeschnittene Splitter von genau jetzt" nennt der Romancier Adam Sternbergh die Poesie von Robbins. Hier noch die letzten beiden Strophen aus dem Gedicht Not Fade Away:

Johnny Cash and Waylon Jennings, Stinson, Sterling, Otis Redding. Johnny Thunders and Joe Strummer, Ronnie Dio, Donna Summer.

Randy Rhoads and Kurt Cobain, Patsy Cline and Ronnie Lane. Poly Styrene, Teena Marie. Timor mortis conturbat me.

Die lateinische Formel am Ende bedeutet so viel wie: Todesangst verwirrt mich. Mehr über Mr. Robbins auf michaelrobbinspoet.tumblr.com.


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