Essen wie Elvis

Zwei junge Gastro-Profis machen in einem Ex-Büro jetzt den Elvis-Sandwich

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Man könnte darüber diskutieren, ob das sehr neue Café Tanzen Anders auf die Liste mit den echt argen Namen von vor zwei Wochen kommen hätte sollen. Aber erstens wusste ich da noch nichts von dem Lokal, und zweitens ist der Name großartig. Weil ja nämlich zwei Häuser weiter Falco wohnte und unter sentimentalen 80er-Nerds „Junge Römer“ (aus dem „tanzen anders“ extrahiert wurde) als die für den damaligen Zeitgeist stimmigste Platte gilt.

Xu und David haben beide eine Gastronomieausbildung, trafen im Orlando di Castello zusammen, Xu machte dann noch eine Patisserieausbildung unter Guru Pierre Reboul, David war im Weißen Rauchfangkehrer und machte außerdem die Fleischerlehre. Eine klassische Karriere in der Spitzengastronomie war den beiden somit vorgezeichnet, wollten sie aber nicht, wollten was ganz anderes und machten daher aus einem ehemaligen Büro in der Ziegelofengasse ein kleines, ziemlich extravagantes Lokal.

Extravant zum Beispiel, weil sie die Theke, hinter der sich eine kleine, offene Küche verbirgt, mit Fliesen im Farbton „Mint“ verkleideten, was schon sehr medizinisch wirkt und natürlich auch irrsinnig 80er-mäßig. Und extravagant auch, weil auf ihrer Bio-Karte quasi nichts steht, was in anderen Hipster-Lokalen als unverzichtbar gilt. Also schon einmal KEIN BURGER!

Dafür Erdäpfelgulasch vegetarisch, vegan oder analog mit Debreziner. Oder Frühstücks-Herrlichkeiten wie Croque Madame und French Toast mit Vanille Crème fraîche und Apfelkompott. Oder einen Aufstrich aus weißen Bohnen mit reichlich Olivenöl und frischen Kräutern, eine Art Hummus mitteleuropeo, sehr gut jedenfalls (€ 4,30). Auch hausgemachte Hühnerleberpastete im Marmeladeglas mit Pfefferapfelkompott gibt es, und man muss sagen, mehr retro geht schon fast nicht mehr. Nur: Die Pastete war großartig, flaumig, das Kompott ideal, zum frisch getoasteten Brioche ein echter Bringer (€ 7,–). Ein bisschen Humor spiele schon immer mit, retro auch, erklärt David, auf die Karte komme nur, was sie auch ihren Freunden servieren würden, gegen Toast Hawaii entschied man sich dann aber doch.

Brauchen sie auch nicht, schließlich haben sie „Elvis’ Favourite“, andernorts auch „The Elvis“ genannt: Toast mit Erdnussbutter, Spiegelei, gebratenen Bananen und knusprigem Speck. Von diesem Sandwich weiß quasi jeder, gegessen hat’s aber noch niemand – hier kann man jetzt. Das Erlebnis ist speziell, ich muss es aber nicht noch mal haben – nicht zuletzt, weil Bananen zu braten eine heikle Kunst ist (€ 7,80). Aber egal, den Thrill war es wert, außerdem gibt’s Bier von der Boku, Kaffee aus der Kaffeefabrik und die Bitterorangenmarmelade machen die Burschen aus Früchten aus dem Schönbrunner Versuchsgarten selbst. Und backen können sie natürlich auch wahnsinnig gut und tun das auch. Lässiger Laden.

Resümee:

Jede Menge Zitate, jede Menge Humor, jede Menge Bio-Zutaten, die mit feiner Hand zu außergewöhnlichen Snacks gemacht werden.

Café Tanzen Anders

5., Ziegelofeng. 29, Tel. 01/974 47 74, Mi–Sa 10–21, So 10–17 Uhr, www.tanzenanders.at


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