Dreimal kurz gelacht: Konzeptkünstler Pierre Bismuth in der Kunsthalle Wien

Feuilleton | Kunstkritik: Matthias Dusini | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Pierre Bismuth, 52, brachte den Anwalt mit. Für seine Retrospektive in der Kunsthalle Wien arbeitete der französische Künstler nicht nur mit einem Kurator, sondern auch mit einem Juristen und einem Psychoanalytiker zusammen. Alle drei waren ihm behilflich, Werke aus dem letzten Vierteljahrhundert auszusuchen und mit Kommentaren zu versehen.

Der satirische Umgang mit künstlerischer Autorschaft ist Bismuths Markenzeichen. In der Serie "Most Wanted Men" ist etwa der Name des berühmten Kollegen Dan Flavin zu sehen, den Bismuth respektlos auf ein verschneites Auto kritzelte. Ein anderes, 1998 begonnenes Projekt heißt "Following the right hand of ".

Der Künstler folgt in historischen Filmen den Handbewegungen berühmter Menschen wie Sigmund Freud und Greta Garbo. Bismuth zeichnete die Linien auf einer über den Bildschirm gespannten Folie nach und hängt sie dann als abstrakte Grafiken an die Museumswand. Kann ja nicht ganz schlecht sein, was die Götter der Kulturgeschichte aus dem Ärmel schütteln.

In kleiner Dosis genossen mögen Bismuths practical jokes ein befreiendes Lachen über das Pathos der Kunst bewirken. In der Kunsthalle Wien lösen die aneinandergereihten Scherze eher Ratlosigkeit aus. Daran ändert auch eine neu angeschaffte Maschine nichts, die aus Plastikgranulat unförmige Patzen macht. Der Betrachter kann "Fried Chicken Flavored Polyethylene" als Persiflage auf abstrakte Skulpturen interpretieren, die derzeit auf Kunstmessen so beliebt sind.

Die Videos, Grafiken und Installationen stehen ohne ordnende Ausstellungsarchitektur in der Halle. Auch schon egal. Bismuths Kunst wirkt sarkastisch, ohne dass man den antihierarchischen Stachel spüren würde. Anwalt, Kurator und Psychoanalytiker konnten diesen Humor nicht zur Geltung bringen. Wie wär's mit einem Comedian?

Pierre Bismuth

Bis 22.3. in der Kunsthalle Wien


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