Stadtrand Urbanismuskolumne

Winterzeit ist Mundschutzzeit

Birgit Wittstock wünscht sich in der Schnupfenzeit japanischere Verhältnisse in den Wiener Öffis

Stadtleben | aus FALTER 08/15 vom 18.02.2015

Neulich kollidierte die Autorin dieser Zeilen auf der Kärntner Straße beinahe mit einer Touristengruppe aus Japan. Es waren überwiegend junge Leute in den Mittzwanzigern mit Frisuren, die selbst den Tokio-Hotel-Sänger vor Neid erblassen lassen würden, und in stylischen Outfits, nach denen sich sämtliche Hipster des Freihausviertels alle zehn Finger abschlecken würden. Irritierend war jedoch der Blick in die Gesichter: Fast alle waren - abgesehen von den Augen - von Zellstoffvorhängen verhängt. Das hat nicht nur unangenehme Erinnerungen an Schweinegrippe und Co hochkommen lassen, sondern auch an den "King of Spleens" Michael Jackson. Und Tatsache, auf Nachfrage stellte sich heraus: Der Mundschutz wird von jungen Japanern längst nicht mehr nur zur Abwehr von Krankheiten und Smog getragen, sondern ist zum Modeaccessoire geworden, das es sogar mit Manga-Motiven gibt. Ganz schön schräg findet man das als Europäerin. Erst als einem in der stoßzeitübervollen U3 diverse Mitfahrer aus Platzmangel mitten ins Gesicht niesen, kann man der Idee doch etwas abgewinnen.


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